“, fragt Conny und entnimmt dem Kühlschrank eine schon geöffnete Flasche Weißwein.
„Bier wäre mir lieber“, wende ich ein. „Ich hole mir was aus dem Keller.“
Conny nickt und geht schon ins Wohnzimmer.
Als ich den Raum betrete, hat sie ihr Glas schon gefüllt. Ich setze mich ihr gegenüber auf einen Stuhl, doch sie bittet:
„Geh nicht so auf Abstand, ich kratze dir die Augen nicht aus.“
Dabei deutet sie auf die Eckseite unserer Doppelbettcouch.
Zögerlich rücke ich auf den angedeuteten Platz und bin ihr jetzt so nahe, dass es nur eines kleinen Rucks bedürfte, um sie in den Arm zu nehmen. Das will allerdings keiner von uns, nehme ich an, auch wenn ich derzeit keine Mauer spüren kann, die uns trennt.
Kurze Blickkontakte. Schweigen. Conny nippt am Wein und ich öffne die erste Flasche von zwei Bier, die ich mitgebracht habe, doch zum Anstoßen gibt es wohl keinen Grund.
„Wenn ihr mitspielt, gibt es der Kinder wegen über Weihnachten einen heile Welt Status“, beginnt Conny. „Bernd und Lisa fahren mit ihren Kindern zu Lisas Eltern. Darauf freuen sich die Jungs schon seit Wochen, weil sie das schon einige Jahre so handhaben und ich denke, keiner will unsere Probleme auf ihren Rücken austragen. Bei uns ist ab dem Dreiundzwanzigsten auch das Haus voll, wie du weißt. Deine Eltern sind da und meine Mutter hat gestern auch zugesagt.“
Connys Vater ist schon vor zwei Jahren verstorben und seither sind die Besuche ihrer Mutter selten geworden. Umso erstaunlicher, der angesagte Besuch im vollen Haus.
„Ich habe keinen Bock, die Probleme im Beisein unserer Eltern auszufechten und würde dich bitten, mitzuspielen. Ist das auch in deinem Sinne?“
Die Ruhe, mit der meine Frau spricht, verwirrt mich. Nach dem, was vor wenigen Stunden im Schlafzimmer gelaufen ist, kann ich dieses Verhalten nicht einordnen.
Wein, Bier und klärende Worte
Ob das gut geht? – Teil 19
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Wein, Bier und klärende Worte
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