Wein, Bier und klärende Worte

Ob das gut geht? – Teil 19

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Wein, Bier und klärende Worte

Wein, Bier und klärende Worte

Jo Diarist

Ich kann nicht hier in diesem Haus bleiben. Alles an diesem Ort verbindet mich mit dir. Auch wenn du es kaum verstehen wirst. Mein Herz hängt immer noch an dir. Trotz allem, was geschehen ist. Auch wenn wir in den letzten Jahren nicht mehr diese innige Verbindung hatten wie am Anfang unserer Beziehung.
Lange habe ich versucht, mir einzureden, dass es wieder besser wird. Eine Illusion, wie sich herausgestellt hat. Ich konnte heute deutlich spüren, was zwischen dir und Lisa ist. Deine Bestätigung dafür brauchte ich eigentlich nicht, die Frage deshalb nur, um zu sehen, ob du ehrlich bist.“
Nichts hat mich bisher so getroffen wie das. Jedes Wort von Conny unterstrich ihre sichtbare Erschöpfung. Zum ersten Mal seit Lisas erstem Kuss in der Akademie, wird mir die schändliche Art meines Verhaltens bewusst. Es beschämt mich nicht, weil etwas zwischen Lisa und mir entstanden ist. Es hinterrücks ausgelebt zu haben, macht mich so betroffen. Die Lügen und Heimlichkeiten, die wir begangen haben, um es unseren Partnern zu verheimlichen, werden mir in ihrer Erbärmlichkeit jetzt richtig bewusst. Jetzt, in dem Moment, in dem meine Frau ganz anders reagiert, als ich erwartet habe.
Schweigen. Stille, wie schon mehrfach an diesem Abend. Ich trinke meine zweite Flasche Bier und Conny bereits das vierte Glas Wein. Nicht viel habe ich zu diesem Gespräch beigetragen, dafür aber umso tiefer blicken können. Auch etwas, was ich auf meine Minus-Liste setzen muss. Unfähigkeit, mit Konflikten richtig umzugehen.
Jedenfalls bei Auseinandersetzungen mit meiner Frau. Bei Lisa scheint das anders zu sein. Warum, verstehe ich nicht so ganz. Vielleicht, weil sie mir mit ihrer Art, mich offen mit meinen Fehlern zu konfrontieren, keine Wahl lässt.
Mein Bier ist ausgetrunken und ich versuche mich in einer Entscheidung:
„Ich hole dann mal meine Sachen und geh ins Gästezimmer.“
„Mach dich nicht lächerlich“, lacht Conny auf. „Wir könnten dann auch gleich zu den Kindern gehen und es erzählen. Und außerdem, wo willst du schlafen, wenn der Besuch da ist. Da brauchen wir das Gästezimmer und auch die Couch hier.“
Conny steht auf und muss sich am Tisch abstützen. Vier Gläser Wein, so schnell getrunken, zeigen Wirkung.
„Komm jetzt ins Bett, du musst mich ja nicht vögeln und ich zwinge dich nicht noch einmal dazu“, kommt es mit schwerer Zunge von meiner Frau.
Sie hat wirklich genug, vielleicht noch begünstigt durch die Anspannung, die sie an diesem Tag beherrscht hat.
Ich nehme ihr die Flasche und das Glas ab, stelle es auf den Tisch zurück und begleite sie die Treppe hoch. Während sie sich ihren Pyjama anzieht, räume ich auf und lösche das Licht im Erdgeschoss.

Neben Conny zu liegen, fühlt sich jetzt seltsam an. Nichts von alledem, was geschehen ist, kann ich ändern. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Immer wird es in uns sein. In unseren Erinnerungen und bei zukünftigen Entscheidungen einwirken.
Aus emotionalen Momenten getroffene Entscheidungen haben unseren Weg verändert. Eine Gabelung wird sichtbar. Aus einem gemeinsamen Weg werden zwei. Wie werden sie aussehen?

Conny ist auch noch munter. Unruhig dreht sie sich von einer Seite auf die andere. Sie hebt den Kopf ein wenig und fragt:
„Bringst du es über dich, mich in den Arm zu nehmen? Mir mit deiner Nähe ein wenig Ruhe zu geben?“
Meint sie das ernst? Ist das vielleicht nur der Alkohol, der aus ihr spricht? Wie soll ich ihr Ruhe geben können?

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