Joaquin sollte auf Stefania aufpassen. Einmal hatten sie sich getroffen, noch bevor Sara auf der Welt war. Das war aber lange her, und Nino glaubte das Risiko eingehen zu können, Joaquin nach Barcelona zu schicken – selbst auf das Risiko hin, dass die beiden sich begegneten.
Joaquin hatte ein leichtes Herz, was Frauen anging, und die Frauen spürten das. Nur zu gerne warfen sie sich ihm an den Hals, liessen sich von ihm nehmen, spürten seine heisse Lava um Stunden später festzustellen, dass Joaquin nur ein Lufthauch, ein flüchtiges Abenteuer gewesen war für sie.
Auf Stefania war er jetzt aber richtig scharf. Dieses verdammte grüne Kleidchen.
Da! Direkt vor ihm flog sie auf ihrem Scooter vorbei. Dieser Arsch! „Die Frau ist zum Liebe machen geboren“, pochte es an seinen Schläfen, und er beschleunigte den Schritt. Er wollte Stefania am Meer unten wieder treffen. Unbedingt. Und er wollte mehr, als nur einen Blick unters Kleidchen riskieren.
Nino brachte sein Töchterchen zu Bett, half ihr beim Zähneputzen, erzählte ihr eine Gute-Nacht-Geschichte und setzte sich mit einem Bier auf die Terrasse, wie sich das für einen Familienvater am Feierabend gehört.
Unten am Meer traf Joaquin Stefania nicht. Er fluchte halblaut; wo bloss hatte sie sich verloren? Er suchte die Rambla de Mar ab, blieb jedoch erfolglos. Er wusste nicht, dass Stefania ganz in der Nähe genussvoll Austern verspies, unter einer üppigen Pergola, am Schatten, vor einem Gläschen Weisswein.
Spätnachts kehrte sie glücklich ins Hotel zurück. Sie ahnte nicht, wer das Nebenzimmer bewohnte. Stefania ahnte nicht, welches Hotel ihr liebevoller Partner für sie gebucht hatte. Sie ahnte nicht, dass das einfache, gepflegte Hotel ein „Voyeur-Hotel“ war, das es mit Hilfe von Einwegspiegeln ermöglichte, das Private, das Seelenleben von Zimmernachbarn zu erkunden. Von Überwachungskameras war man längst abgekommen.
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