„Ja, das bin ich“, lachte er und zeigte auf den Tisch, an dem er sitzen würde. „Kommst Du zu mir?“
Zufälle gab es ja immer mal wieder; Stefania konnte aber kaum glauben, dass der Fremde vom Vortag ausgerechnet in diesem kleinen, unscheinbaren Hotel ein Zimmer angemietet hatte. Sie wusste nicht ob sie sich freuen sollte oder nicht – sie war eigentlich gekommen um allein zu sein, kräftig durchzuatmen und Energie zu tanken. Joaquin war nicht ein Mann, der ihr Energie wegnahm, ganz und gar nicht – aber Stefania wollte keine Verpflichtungen – noch nicht mal bei einem Frühstückstreffen.
„Ich bleib da hinten am Fenster“, sagte sie. Joaquin fiel es schwer, seine Enttäuschung zu verbergen. Er betätigte achzelzuckend die Kaffeemaschine und sagte „aha, verstehe.“ Was sonst hätte er auch sagen sollen?
Stefania genoss jeden Schluck ihres frisch gepressten Orangensafts und freute sich über den knusprigen Speck. Ihre Linie war ihr im Moment egal. So lange ihr die Männer selbst in Barcelona nachblickten, konnte so viel nicht verkehrt sein an und mit ihr, fand sie. Sie wischte sich mit einem Papiertaschentuch über die Lippen, träumte zum Fenster hinaus, und im selben Moment wurde ihr bewusst, dass sie überhaupt keine Pläne hatte. War sie mit ihrer Familie unterwegs, ging das nie planlos von sich. Sara war stets auf der Jagd nach Spielplätzen, Nino interessierte sich für Kulturelles, und am besten ging es, wenn sich alles kombinieren liess: Dorfplatz mit gothischer Kirche und Spielplatz gleich um die Ecke.
Als Stefania sich umblickte, war Joaquin verschwunden. Sie stutzte kurz. Hatte er sein Frühstück derart rasch hinuntergewürgt…?
Tatsache war, dass Joaquin kurz die Nerven verloren hatte. Es war ihm siedend heiss geworden als er darüber nachdachte, wie Stefania wohl reagieren könnte, wenn sie feststellte, dass sein Zimmer an ihres grenzte. Wie würde sie sich verhalten? Wie würde sie Abstand gewinnen? Würde sie gar misstrauisch werden?
Am besten war es noch immer, sie keinen Verdacht schöpfen zu lassen – es war grenzenlos dumm gewesen, dass er im Frühstückssaal auf sich aufmerksam gemacht hatte. Joaquin hatte sowieso vorgehabt, sich in Barcelona eine neue Kamera zu kaufen, er war leidenschaftlicher Fotograf, und diese Beschäftigung würde ihn etwas von der aufreizenden Stefania ablenken. „Alles klar“, simste er an Nino, „sie sitzt beim Frühstück.“ Missmutig blickte er in den Stehspiegel. Auf der andern Seite waren nur Stefanias ungemachtes Bett und die offene Badezimmertür zu sehen.
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