weisser scooter, blauer bikini

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weisser scooter, blauer bikini

weisser scooter, blauer bikini

Anita Isiris

Stefania freute sich ausserordentlich und führte ihren neuen weissen Scooter schon mal im Quartier spazieren. Die nächsten Tage würde sie in Barcelona verbringen, allein, und ihr Göttergatte würde zuhause bleiben und die kleine Sara hüten. Er hatte extra frei genommen – und Stefania fühlte sich ausgezeichnet.

Sie streckte die Brust raus, atmete tief ein, kickte den Roller an und sauste um die nächste Hausecke. Stefania war eine echte Augenweide in ihren engen Shorts, der flatternden grünen Bluse und ihrem blonden Pferdeschwanz, der munter wehte.

Schon sah sie sich auf der Rambla de Mar Salzwasser atmen. Und, jaja, klar. Sie wollte sie spüren, die Salzluft. Am Bauch. An den Hüften. An den Armen. An den Beinen.

Stefania würde nicht nur ihren Scooter ausführen, sondern auch gleich ihren klitzekleinen blauen Bikini.

Wenig Gepäck, ein vorsorglicher Blick in die Kühltruhe und den Vorratsschrank, Küsse für Nino und Sara waren die letzten Reisevorbereitungen, die Stefania noch traf, bevor sie sich gut gelaunt auf den Weg zum Flugplatz machte.

Sie kam neben einen ältlichen Herrn zu sitzen, der ihr andauernd auf die Schenkel starrte. Stefania empfand das zwar als unangenehm, steckte es aber weg. „Im Sommer sind die Leute eh komisch“, dachte sie und probte den Seat Belt. Sie lehnte sich entspannt zurück und freute sich auf den Moment, in dem die Maschine abheben würde. Die Beschleunigung von Flugzeugen ging ihr immer durch und durch, mitten durch den Bauch, durchs Herz, und sie hätte jauchzen können vor Glück, als sie das Gras unter sich sah, mal braun, mal grün, mal gelb, und, etwas weiter hinten, das kleine Haus, das sie mit Nino und Sara bewohnte.

Der Mann neben ihr war eingeschlafen. Stefania ordnete ihr Haar, blickte aus dem Fenster und genoss die vielfarbigen Wattewolken. Bald schon würde sie in Barcelona sein und die Ramblas hinunterschweben.

Das kleine Hotel war einfach, aber gepflegt. Stefania duschte erst einmal und genoss das Prickeln des Wassers auf ihrer Haut. Sie dachte an ihren Nino. Was er jetzt wohl gerade machte? Da überkam sie heiss Lust, sie presste den Duschkopf zwischen die Beine und genoss den sanften Druck des Wasserstrahls an ihrem Geschlecht. Mit der freien Hand seifte sie sich ein, und sie verweilte lange bei ihren kleinen, steifen Brustwarzen, die sie eingehend massierte. Wenn ihr jetzt jemand zusähe?

Stefania war keine prüde Frau, oh nein! Klar hatte sie auch einen kleinen Dildo mit im Gepäck, den sie einst in Berlin gekauft hatte. Nino wusste das und musste jedes Mal schmunzeln, wenn sie zuhause ihren Kulturbeutel ausräumte und das Ding zu Boden fiel. Und Stefania zeigte sich gern. Sie trug gerne ultrakurze Röcke oder Hemden. Sie knöpfte sie gerne auf, ihre Hemden. Sie trug nur selten BH. Und sie mochte es, wenn sie mit ihrem Körper Aufmerksamkeit erregen konnte. Sie war ein kleines Teufelchen, die Stefania – und dennoch eine ausgezeichnete Mutter und eine engagierte Hausfrau.

Und genau dieses kleine Teufelchen stach sie jetzt, oder genau genommen: Es kitzelte sie, das Teufelchen. Es kitzelte sie zwischen den Beinen. Stefania war hibblig. Sie musste etwas erleben – unbedingt. So kam es, dass sie ihr knappes grünes Kleidchen überstreifte, in ihre Sandaletten schlüpfte, sich flüchtig kämmte und dann, wie ein junges Mädchen, die Treppe hinunter sauste, raus aus dem Hotel und rein ins Stadtleben.

Es ging nicht lange, bis ein Mann sie ansprach. „Allein hier?“. Stefania war überrascht. Sah man ihr an, dass sie Deutsche war? Sie errötete. „Du bist schön, wenn Du errötest“, sagte er und blickte sie mit Nachdruck an. Er sah gut aus, dieser Mann – fast etwas zu gut. Irgendwie kam er Stefania bekannt vor. „Komm, wir gehen etwas trinken.“ Diese bestimmte Art, mit der er sie aufforderte, irritierte Stefania, aber sie ging mit. Sie hatte sich ja unter Kontrolle, und etwas erleben wollte sie ja. Vielleicht kannte er sich sogar aus in Barcelona? Vielleicht besser als sie selber?

In einem kleinen Strassencafé tranken sie einen Martini, lächelten sich an und wirkten auf Aussenstehende wie ein normales, junges, verliebtes Paar.

Dass Joaquin, wie er hiess, schon nach kurzer Zeit zu seinem Smartphone griff, enttäuschte Stefania fast ein wenig. Aber alle Männer waren wohl gleich – technikverliebt und kommunikationssüchtig – Hauptsache Kommunikation fand online statt und man musste nicht reden.

„Bin mit ihr im Café. Wir trinken was.“ Ninos Smartphone vibrierte. Da hatte ihm jemand geschrieben. Schmunzelnd las Nino das SMS. „Gute Arbeit, Freund. Lass es einfach mal anlaufen.“ Sara kaute an einer Tiefkühlpizza. „Was machst Du, Papi?“

„Geile Nudel, die Kleine“, schrieb Joaquin. „Sie hat ein heisses grünes Kleidchen an.“ „Lass sie bloss in Ruhe. Du sollst einfach ein bisschen beobachten, was sie in Barcelona macht. Mehr nicht. Kein Scheiss, ey!“

„Mal sehen“, simste Joaquin zurück und liess den Blick genussvoll über Stefanias Decolleté schweifen. Er kippte seinen Martini in zwei Zügen und bot Stefania an, sie zum Meer zu begleiten. „Ich bin ganz gern einen Moment allein“, sagte sie, warf Joaquin eine Grusshand zu, liess ihn den Martini bezahlen und verschwand in der Menschenmenge. „Geiles Luder, Du…“, dachte er und nestelte an seiner Hose.

Stefania hatte Hunger und wollte bereits den ersten Abend in vollen Zügen geniessen. Sie schüttelte die Reisemüdigkeit ab und erinnerte sich an ein kleines Restaurant am Meer, wo göttliche Austern serviert wurden. Behände schlängelte sie sich durch die Menschen hindurch, gelangte zum Hotel und machte ihren Scooter startklar.

Joaquin hatte sie längst wieder entdeckt, aber er hielt sich zurück. Nino war schliesslich sein bester Freund und hatte ihn auf diese nicht ganz einfache Mission geschickt. Joaquin sollte auf Stefania aufpassen. Einmal hatten sie sich getroffen, noch bevor Sara auf der Welt war. Das war aber lange her, und Nino glaubte das Risiko eingehen zu können, Joaquin nach Barcelona zu schicken – selbst auf das Risiko hin, dass die beiden sich begegneten.

Joaquin hatte ein leichtes Herz, was Frauen anging, und die Frauen spürten das. Nur zu gerne warfen sie sich ihm an den Hals, liessen sich von ihm nehmen, spürten seine heisse Lava um Stunden später festzustellen, dass Joaquin nur ein Lufthauch, ein flüchtiges Abenteuer gewesen war für sie.

Auf Stefania war er jetzt aber richtig scharf. Dieses verdammte grüne Kleidchen.

Da! Direkt vor ihm flog sie auf ihrem Scooter vorbei. Dieser Arsch! „Die Frau ist zum Liebe machen geboren“, pochte es an seinen Schläfen, und er beschleunigte den Schritt. Er wollte Stefania am Meer unten wieder treffen. Unbedingt. Und er wollte mehr, als nur einen Blick unters Kleidchen riskieren.

Nino brachte sein Töchterchen zu Bett, half ihr beim Zähneputzen, erzählte ihr eine Gute-Nacht-Geschichte und setzte sich mit einem Bier auf die Terrasse, wie sich das für einen Familienvater am Feierabend gehört.

Unten am Meer traf Joaquin Stefania nicht. Er fluchte halblaut; wo bloss hatte sie sich verloren? Er suchte die Rambla de Mar ab, blieb jedoch erfolglos. Er wusste nicht, dass Stefania ganz in der Nähe genussvoll Austern verspies, unter einer üppigen Pergola, am Schatten, vor einem Gläschen Weisswein.

Spätnachts kehrte sie glücklich ins Hotel zurück. Sie ahnte nicht, wer das Nebenzimmer bewohnte. Stefania ahnte nicht, welches Hotel ihr liebevoller Partner für sie gebucht hatte. Sie ahnte nicht, dass das einfache, gepflegte Hotel ein „Voyeur-Hotel“ war, das es mit Hilfe von Einwegspiegeln ermöglichte, das Private, das Seelenleben von Zimmernachbarn zu erkunden. Von Überwachungskameras war man längst abgekommen. Fielen Aufzeichnungen etwa der Polizei in die Hände, wäre sie wohl in verschiedenen Fällen rasch eingeschritten. Einwegspiegel hingegen hatten etwas Charmantes, sie waren ein historisches Relikt aus dem 20. Jahrhundert.

Warf Stefania nun einen Blick in den Spiegel, bevor sie sich auszog und duschte, schaute sie Joaquin auf der andern Seite direkt in die Augen, ohne es zu wissen. Frauen sind nie schöner, als wenn sie sich vor einem Ganzkörperspiegel zurechtmachen. Wenn sie sich das Haar hochstecken. Einen prüfenden Blick auf die BH-Träger werfen. Das Höschen zurechtzupfen. Diese Intimität, diese innere Vertrautheit zwischen Spiegel und Frau ist etwas vom Faszinierendsten, das es überhaupt gibt auf dieser lieben, kleinen Welt.

Während Stunden war Joaquin nervös auf seinem Bett gelegen. In seinem Roman, dem Neuen von Donna Leon, kam er kaum vorwärts. Die Klimaanlage funktionierte nur bedingt – immerhin war es kühler als draussen, wo er vergeblich nach Stefania gesucht hatte.

Nino kam beim Lesen von Fachzeitschriften zuhause ebenfalls nicht vorwärts. Er wusste, dass er ein Risiko eingegangen war. Er wollte Stefania überwachen lassen, was ihm im Grunde schlechtes Gewissen bereitete. Er vertraute Joaquin, bezahlte allerdings einen Preis. Es war ihm sehr wohl bewusst, dass sein Freund Einblicke haben würde ins Intimleben seiner Frau. Er würde sie durch den Spiegel beim Ausziehen beobachten können. Er würde sie sehen können, wenn sie aus der Dusche spazierte. Nino würde Stefania sogar bei Dildospielchen betrachten können, wenn ihm der Sinn danach stand. Nino kannte das kleine Hotel aus seinem früheren Leben als Single. Er wusste, dass die Einwegspiegel so positioniert waren, dass man Bett und Badezimmer gleichsam im Fokus hatte.

Als er sich seine geliebte Frau hüllenlos vorstellte, hatte er sofort eine Erektion. Obwohl er sich dagegen wehrte, erregte ihn der Gedanke, dass sein Freund Stefania nackt sehen konnte, wenn er wollte. Mit diesen Gedankenbildern wichste er genussvoll, und es dauerte nicht lange, bis er auf ein Tempo-Taschentuch, das er vorsorglich übers Leintuch gebreitet hatte, abspritzte.

Gedankenverloren zog Stefania sich aus. Sie aalte sich aus ihrem grünen Kleidchen, und Joaquin sah direkt vor sich ihre Schenkel. Ihr klitzekleines Höschen. Stefanias Bauch, der einst Sara beherbergt hatte, war wieder verführerisch glatt und straff. Stefania war zum Liebe machen geboren. Sie setzte sich aufs Bett. Zog ihr Höschen aus. Dabei waren für den Bruchteil einer Sekunde ihre Schamlippen zu sehen, in der zauberhaften Perspektive, die entsteht, wenn eine Frau die Beine anzieht. In diesem Moment summte Joaquins Handy. „Alles in Ordnung?“, fragte Nino. „Alles in Ordnung“, simste Joaquin zurück.
Stefania schlief nicht nackt, sondern in einem hauchdünnen Nachthemd. Sie deckte sich nicht zu, dimmte das Licht und räkelte sich auf dem grosszügigen Doppelbett. Joaquin glaubte sich in einem Film. Was für eine Frau diese Stefania doch war! Sie schenkte sich Mineralwasser ein. Entfernte aus ihrem Haar eine Spange. Kuschelte sich ins Kissen. Nichts Spektakuläres – es sein denn, man befinde sich in der Position eines Voyeurs, in einer Position also, in der alles öffentliche heimlich, alles Heimliche öffentlich wirkt.

Auch Joaquin schlief erst ein, nachdem er sich befriedigt hatte. Er machte es sich unter der Dusche und genoss das Kitzeln des Wasserstrahls an seiner Eichel.

Der nächste Tag würde ganz seinem Auftrag gehören. Er war als Beobachter beauftragt. Er war auserwählt, Stefania zu begleiten.

Am nächsten Morgen, beim Frühstück, begegneten sich Stefania und Joaquin am Buffet. Sie war soeben dran, gebratenen Speck zwischen Spiegelei und Streichkäse zu jonglieren, als er sie grüsste. Stefania fuhr herum und hätte beinahe den Teller fallen lassen. „Joaquin…“, sagte sie verwundert und starrte ihn an. „Ja, das bin ich“, lachte er und zeigte auf den Tisch, an dem er sitzen würde. „Kommst Du zu mir?“

Zufälle gab es ja immer mal wieder; Stefania konnte aber kaum glauben, dass der Fremde vom Vortag ausgerechnet in diesem kleinen, unscheinbaren Hotel ein Zimmer angemietet hatte. Sie wusste nicht ob sie sich freuen sollte oder nicht – sie war eigentlich gekommen um allein zu sein, kräftig durchzuatmen und Energie zu tanken. Joaquin war nicht ein Mann, der ihr Energie wegnahm, ganz und gar nicht – aber Stefania wollte keine Verpflichtungen – noch nicht mal bei einem Frühstückstreffen.

„Ich bleib da hinten am Fenster“, sagte sie. Joaquin fiel es schwer, seine Enttäuschung zu verbergen. Er betätigte achzelzuckend die Kaffeemaschine und sagte „aha, verstehe.“ Was sonst hätte er auch sagen sollen?

Stefania genoss jeden Schluck ihres frisch gepressten Orangensafts und freute sich über den knusprigen Speck. Ihre Linie war ihr im Moment egal. So lange ihr die Männer selbst in Barcelona nachblickten, konnte so viel nicht verkehrt sein an und mit ihr, fand sie. Sie wischte sich mit einem Papiertaschentuch über die Lippen, träumte zum Fenster hinaus, und im selben Moment wurde ihr bewusst, dass sie überhaupt keine Pläne hatte. War sie mit ihrer Familie unterwegs, ging das nie planlos von sich. Sara war stets auf der Jagd nach Spielplätzen, Nino interessierte sich für Kulturelles, und am besten ging es, wenn sich alles kombinieren liess: Dorfplatz mit gothischer Kirche und Spielplatz gleich um die Ecke.

Als Stefania sich umblickte, war Joaquin verschwunden. Sie stutzte kurz. Hatte er sein Frühstück derart rasch hinuntergewürgt…?

Tatsache war, dass Joaquin kurz die Nerven verloren hatte. Es war ihm siedend heiss geworden als er darüber nachdachte, wie Stefania wohl reagieren könnte, wenn sie feststellte, dass sein Zimmer an ihres grenzte. Wie würde sie sich verhalten? Wie würde sie Abstand gewinnen? Würde sie gar misstrauisch werden?

Am besten war es noch immer, sie keinen Verdacht schöpfen zu lassen – es war grenzenlos dumm gewesen, dass er im Frühstückssaal auf sich aufmerksam gemacht hatte. Joaquin hatte sowieso vorgehabt, sich in Barcelona eine neue Kamera zu kaufen, er war leidenschaftlicher Fotograf, und diese Beschäftigung würde ihn etwas von der aufreizenden Stefania ablenken. „Alles klar“, simste er an Nino, „sie sitzt beim Frühstück.“ Missmutig blickte er in den Stehspiegel. Auf der andern Seite waren nur Stefanias ungemachtes Bett und die offene Badezimmertür zu sehen.

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