Das große schmiedeeiserne Tor gab ein Summen von sich und etwas zögernd umschloss Britta den Türknauf, woraufhin das Tor sich sofort quietschend öffnete. Nur zwei Schritte, dann war sie durch die Tür hindurch und schaute zu dem in einiger Entfernung liegenden Schloss. Warum hatte der Taxifahrer sie nur vor dem Tor abgesetzt und sie nicht bis zum Eingang gefahren? Der Koffer in ihrer Hand wurde jetzt schon schwer und mit Schrecken dachte sie daran, dass sie ihn den Kiesweg hinauf tragen müsste, denn die Rollen an der Unterseite des Gepäcks waren hier zwecklos. Bevor sich Britta auf den Weg machte, schaute sie sich noch einmal richtig um. Eigentlich war das Grundstück ja traumhaft. Links und rechts waren zwei kleine Wäldchen angesiedelt, die den Vorplatz vom Schloss fast malerisch säumten. An den Waldrändern führte jeweils ein Weg aus weißen Kieseln zum Eingang des Gebäudes und zwischen diesen Wegen war ein herrlicher Rasen angelegt, in dem einige kleine Blumenbeete angesiedelt waren. Es war also der perfekte Ort für einen Wellness-Urlaub, bei dem man die Seele baumeln lassen konnte – wenn da nicht dieses seltsame Gefühl gewesen wäre, dass sie erfasst hatte, als sie die Mauern des Schlossparks zum ersten Mal erblickte.
„Du bist entweder verrückt oder hast zu viele schlechte Horrorfilme gesehen“, schalt Britta sich selbst und wollte sich gerade auf dem Weg machen, als plötzlich eine junge Frau neben ihr stand. „Guten Tag, ich bin Michelle und helfe ihnen mit dem Gepäck“, hörte Britta die Frau sagen und fuhr dabei zusammen, als hätte der Teufel persönlich mit ihr gesprochen. Das war doch unmöglich. Wo kam diese Frau so plötzlich her? Vom Schloss konnte sie auf keinen Fall kommen, denn dann hätte Britta sie auf einem der Wege sehen müssen. Kam sie etwa aus dem Wald? Bevor Britta noch weiter überlegen konnte, griff Michelle zu ihrem Koffer und ging dann voraus.
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