Wenn aus Hass Liebe wird

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Wenn aus Hass Liebe wird

Wenn aus Hass Liebe wird

Sven Solge

„Guten Morgen Melissa!“, erwiderte der Vorarbeiter Jörn ihren Gruß. „Was machst du denn hier? Hast du nicht heute frei?“
„Ja, eigentlich schon, aber der Chef braucht mich heute zum Schreiben eines Großauftrags!“
„Ach so nennt man das heute?“ Etwas nachdenklich schaute er sie an, sagte dann aber nichts mehr und wandte sich zu seinen Kollegen um.
Etwas konsterniert machte sich Melissa auf den Weg zu ihrem Büro. ´Was hatte dieser Ausspruch von Jörn zu bedeuten?` 
Schon im Flur wurde sie von Wilm Walters empfangen: „Guten Morgen Frau Funke, schön, dass sie schon da sind!“, begrüßte er sie.
„Ich denke sie kommen am besten zu mir ins Büro, der kurzen Wege wegen! Ich habe ihnen noch einen zweiten Computer hingestellt.“ Er deute mit dem Arm in Richtung seines Büros und Melissa folgte seiner Anweisung mit gemischten Gefühlen. Immer wieder tauchte der komische Spruch von Jörn in ihrem Kopf auf.
Aber nachdem sie fast fünf Stunden intensiv durchgearbeitet hatten und ihr Chef in keiner Weise kompromittierende Andeutungen oder Handlungen gezeigt hatte, verlor sich ihr Misstrauen langsam. Im Gegenteil, Wilm war ausgesprochen lustig, sodass sie viel zusammen lachten und die Arbeit schnell vonstatten ging.
„So, Schluss für heute!“, sagte Wilm und trat hinter sie. „Ich habe uns einen Tisch im Restaurant Robin bestellt. Dort kann man sehr gut essen!“
Melissa sah zu ihm auf: „Aber ich bin noch nicht ganz fertig, wagte sie Einzuwenden!“
„Den Rest können sie Montag noch schreiben, ich erkläre ihnen später warum!“ 
Sie fuhren mit dem großen SUV des Chefs zum Restaurant.
Melissa fühlte sich in der vornehmen Umgebung etwas unwohl. Der Kellner hoffierte sie unentwegt, schob ihr den Stuhl unter und legte ihr die Serviette auf den Schoß. Sie hatte zwar wieder ihren grauen Hosenanzug angezogen, sodass sie schon passend angezogen war, nur waren ihr solche Aufmerksamkeiten unbekannt und befremdlich.
Wilm beobachtete sie etwas amüsiert.
Um ihr die Eingewöhnung in diese Umfeld zu erleichtern, fragte er Melissa: „Darf ich ihnen das ´Du` vorschlagen? Ich denke wir können uns dann entspannter unterhalten. Außerdem hat es einen Grund warum ich sie heute zur Arbeit und zum Essen eingeladen habe!“ Er schaute sie erwartungsvoll an und als Melissa zaghaft nickte, reichte er ihr die Hand und sagte seinen Vornamen.
„Melissa!“, sagte sie und ergriff etwas zögerlich seine Hand. Es war alles etwas zu viel, was da auf sie einstürmte.
Der Kellner brachte zwei Gläser Champagner und sie stießen kurz an.
„Ich weiß, es ist vielleicht etwas zuviel im Moment, aber ich habe einen Grund, warum ich dich heute eingeladen habe. Ich wollte unbedingt mit dir alleine sein, der Auftrag war nur ein Vorwand und hätte noch eine Woche länger Zeit gehabt! Ich hoffe du verzeihst mir die kleine Notlüge. Seit du in unsere Firma gekommen bist, gehst du mir nicht mehr aus dem Kopf. Ja, es ist so schlimm, dass ich mich schon tagträumend am Schreibtisch erwischt habe. Ich mag dich und würde dich gerne etwas näher kennen lernen. Ich weiß, dass ich nicht immer nett zu dir war in den letzten Wochen, aber das war so eine Art Selbstschutz. Immer wenn du in meine Nähe kamst, verlor ich meine Selbstsicherheit und das war für mich unbegreiflich.“ 
Melissa schaute Wilm überrascht an, mit allem hatte sie gerechnet, aber nicht damit. „Aber das geht doch nicht!“, stotterte sie verlegen. „Du bist doch mein Chef, was sollen deine Mitarbeiter von mir denken?“

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