Wert und andere Irrtümer

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Wert und andere Irrtümer

Wert und andere Irrtümer

Leni Trattner

Ich blieb vor ihm stehen.
„Ich will sehen, was passiert, wenn du nicht nachdenkst“, sagte ich.
Er sah zu mir auf. Unverstellt. Und alles an ihm wirkte plötzlich viel jünger, viel unmittelbarer – als wäre da unter der Oberfläche etwas längst Bereites gewesen, das nur auf diesen Moment gewartet hatte. Und das froh war, sich endlich zeigen zu dürfen.
Ich trat näher zwischen seine Knie. Nah genug, dass zwischen uns kaum noch Luft blieb.
Seine Hände berührten mich erneut. Er strich über meine Hüften, zog mich zu sich, und ich spürte, wie die Unsicherheit in ihm in Ungeduld umschlug. Ich ließ ihn meinen Körper erkunden und es freute mich zu fühlen, wie schnell er sich in meiner Nähe vergaß. Wie er nur noch Alexander war. Ohne irgendwelche Titel.
Ich legte meine Hand an seinen Nacken, zog ihn zu mir und küsste ihn wieder – tiefer diesmal, langsamer, bis sein Atem spürbar unruhiger wurde.
„Nicht denken“, murmelte ich gegen seinen Mund.
Ein leises, abgerissenes Lachen von ihm. Und eine Entschlossenheit in seinem Blick – er wollte mir zeigen, was er eigentlich konnte. Nämlich fühlen. Und mich begehren.
Seine Hände wurden entschlossener, wanderten über meinen Rücken, unter den Stoff, als wollte er sich vergewissern, dass ich wirklich da war. Und dass dies wirklich gerade geschah. Ich spürte diese Mischung aus dem Wunsch, den Moment auskosten zu wollen, und der Hast, sich nicht zu viel Zeit zu lassen, weil er nicht wusste, ob er diese hatte. Und ich, ich hielt mich zurück. Führte seine Hände nur ein wenig, ließ vielmehr zu, dass er sich im Augenblick verlor. Und genoss es, dass ich es war, die ihn so aus der Fassung brachte.
Ich zog mein Oberteil langsam aus, ohne den Blick von ihm zu nehmen. Sein Gesicht verriet dieses offene, fast ungläubige Staunen darüber, wie ich mich vor ihm einfach entkleidete, ohne Hast, ohne Scham, ohne das Licht zu löschen.

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