Ich konnte es fast körperlich spüren – wie sich die Haltung, die Kontrolle, dieses feine Gefälle wieder über ihn legte, als wäre nichts gewesen.
Aber es war etwas gewesen. Nur nicht für uns beide dasselbe. Für mich war es geschehen. Und der Spaß, den ich wollte, der hatte sich nicht eingestellt. Für ihn war es ein Spaß gewesen. Aber einer, der so schön war, dass er ihn schon fast verdrängt hatte.
Ich stand irgendwann auf, ohne Eile, zog mich an. Er tat es mir gleich. Sah mich mit dem Blick an, mit dem ich ihn auch kennengelernt hatte.
„Mach's gut“, sagte er, als er zur Tür ging.
Ich nickte.
Nicht, weil ich ihm für diese Worte danken wollte. Sondern weil ich keine Worte mehr ausbekam.
Wir haben uns danach nicht mehr gesehen. Natürlich nicht. Heute wäre es wohl eine Art einvernehmliches Ghosting gewesen. Aber damals, da sind wir uns einfach aus dem Weg gegangen, was ohnehin überraschend einfach war. Und es gab da nichts. Keinen Streit, keine letzte Nachricht. Es hörte einfach auf. Wir trennten die Verbindung zwischen uns – und stellten fest, dass der andere daran auch nicht festhielt.
Ja, damals war das so viel einfacher. Ohne Social Media. Keine ständigen Statusbilder der anderen Person. Keine Möglichkeit, dem anderen betrunken spät in der Nacht eine Sprachnachricht zu schicken. Kein Gefühl, zu Weihnachten einen Standardgruß über WhatsApp schicken zu müssen. Man konnte einfach verschwinden, ganz ehrlich und konsequent.
Ich habe eine Weile nicht mehr an ihn gedacht. Doch kürzlich bin ich wieder über seinen Namen gestolpert. Lustigerweise auf Social Media. Ein Profil, ein paar Bilder, ein Leben, das genau so aussah, wie man es sich damals schon hätte ausrechnen können: Eine Frau. Ein Kind. Und ein absolut sauberes Image.
Und sonst erstaunlich wenig. Kein Hinweis auf einen Beruf.
Wert und andere Irrtümer
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Wert und andere Irrtümer
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