Und irgendwo zwischen kitschigen Porzellanfiguren, die schon bessere Tage gesehen hatten, und vergilbten Büchern lag dieses Bild. Ein paar Linien in Rot und Schwarz, etwas zu viel unbemalte Leinwand, als hätte jemand mitten im Malen aufgehört. Entweder weil er der Meinung gewesen war, dass es nun schon perfekt sei. Oder weil er es schnell hatte verkaufen wollen. Oder weil er keine Lust mehr gehabt hatte zu malen. Wer weiß das schon. Ja, sogar ich wusste schon damals, dass ich viele Dinge nicht wusste. Ja, ich wusste nicht einmal, ob es irgendetwas wert war. Aber ich mochte es sofort. Und das hat mir gereicht.
„Das sollten Sie nicht nehmen.“
Die Stimme kam von hinten, ruhig, aber ein wenig zu sicher für jemanden, der sich ungefragt einmischt. Ich hatte das Bild schon in den Händen und drehte mich nur langsam um. Widerwillig, aber neugierig.
Er sah aus, als wäre er einem Historiendrama entsprungen und würde sich nun an dem Ort voller Artefakte seiner wahren Zeit aufhalten, da sich dieser sicher anfühlte. Alles an ihm wirkte zu korrekt für diesen Ort. Eigentlich generell für diese Zeit. Sein Mantel saß einfach zu gut. Er trug Schuhe, die aussahen, als sollten sie den Boden eigentlich nicht berühren. Und diese Art zu schauen – nicht unhöflich, aber als würde er die Dinge immer ein kleines Stück von oben betrachten. Weil er es nicht anders kannte. Er war einfach einer der Menschen, die die Nase ein wenig zu hoch trugen. Aber auch einer, dem dies angeboren war und der nicht anders konnte.
„Warum nicht?“, fragte ich mit einem leicht störrischen Blick.
Er machte einen kleinen Schritt näher, sah kurz auf das Bild, dann wieder mich an. „Weil es …“ – er suchte kurz nach einem Wort, als wäre ihm keines gut genug – „… beliebig ist. Sie finden hier Besseres. Deutlich Besseres.“
Wert und andere Irrtümer
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Wert und andere Irrtümer
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