„Leni“, sagte ich und ließ das „von nichts“ einfach weg.
Wir sind ein paar Tage später etwas trinken gegangen. Ich weiß nicht mehr genau, wer wen gefragt hat. Wahrscheinlich er mich, aber so, dass es klang, als würde sich dies so gehören und es wäre nur logisch, dies zu tun. Nicht, als wolle er dies gerne.
Er hatte einen Ort ausgesucht, den es schon seit über hundert Jahren gab. Natürlich wunderte es mich nicht. Weder, dass es solche Orte in Wien gab, noch, dass er sich an solchen Orten besonders wohl fühlte. Die Einrichtung dort war nicht altmodisch. Es war nichts Extravagantes, aber auch nichts, das dem Zufall überlassen worden wäre. Selbst das Licht wirkte, als hätte es eine Erziehung genossen. Als ich kam, saß er schon da. In dieser perfekt aufrechten, aber so entspannten Haltung, die man nur hat, wenn man es bereits als Kleinkind so vorgelebt bekommt und so lernt.
Er stand auf, als ich mich näherte. Und ich sah, dass seine Kleidung wieder einmal perfekt war. Nicht übertrieben, nicht geschniegelt – aber so selbstverständlich elegant, dass es auffiel. Ich musste mir ein Lächeln verkneifen. Ein Teil von mir hatte immer noch das Gefühl, Teil eines Theaterstücks zu sein und nicht gerade wirklich hier etwas zu erleben.
„Sie sind pünktlich“, sagte er. Wie so viele Wiener bevorzugte er das „Sie“. Eine Eigenheit, der ich durchaus etwas abgewinnen kann. Aber dazu ein anderes Mal mehr.
„Ich will ja nichts verpassen“, antwortete ich und setzte mich, ohne ihm die Chance zu geben, mir den Stuhl zu richten.
Er bestellte Wein, ohne mich zu fragen, und traf trotzdem genau meinen Geschmack. Das hätte mich stören können. Oder dazu verleiten, so zu tun, als fände ich ihn grauenhaft. Tat es aber nicht. Noch nicht.
„Gehen Sie oft auf Flohmärkte?“, fragte er.
„Wenn mir danach ist.“
Wert und andere Irrtümer
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