Und auch ehrlicher, da ohne Hintergedanken und ohne Verpflichtung, sich zu binden.
Und ich mochte ehrlich.
„Nur auf einen Moment“, sagte er schließlich. Als hätte er „Nur kurz“ als Kompromiss zwischen „Ja“ und „Nein“ für sich gefunden.
Ich lächelte leicht. „Natürlich.“
Meine Wohnung war klein, aber sie war meine. Nichts daran war besonders durchdacht, ein Innenarchitekt hatte sie nie gesehen. Alles hatte seinen Platz, einfach weil ich ihn ihm gegeben hatte. Er blieb einen Moment im Vorraum stehen, sah sich um, als würde er versuchen, das Konzept meiner Wohnung zu verstehen. Ich ließ ihm die Zeit.
„Das ist …“ begann er.
„Nicht kuratiert?“, half ich ihm.
Er lächelte schmal. „Persönlich.“
„Das klingt besser. Ganz ehrlich, ich würde sagen zweckmäßig“, sagte ich und ging an ihm vorbei ins Zimmer. „Willst du etwas trinken?“
Er zögerte kurz bei dem „du“, nahm es dann aber an. „Gerne.“
Ich schenkte uns etwas ein, stellte die Gläser auf den Tisch, lehnte mich dagegen. Er trat näher, vorsichtig fast, als bewegte er sich nun in einer anderen Welt, in der andere Regeln galten als in der da draußen. Oder gar in seiner eigenen.
Sein Blick blieb an dem Bild hängen. Natürlich.
„Du hast es tatsächlich aufgehängt“, sagte er.
„Was hätte ich sonst damit tun sollen? Ich habe es gekauft, weil ich es aufhängen wollte. Genau dort.“
Er trat noch einen Schritt näher, betrachtete es, diesmal länger. „Ich verstehe es immer noch nicht.“
„Musst du auch nicht. Ich mag es immer noch.“
Ich stellte mein Glas ab, ging zu ihm, blieb neben ihm stehen. Für einen Moment sahen wir beide das Bild an, als gäbe es dort etwas zu sehen, was bislang unsichtbar gewesen war.
Dann drehte ich mich zu ihm.
„Was verstehst du daran nicht?“, fragte ich leise.
Er sah mich an, und ich merkte, wie schnell er wieder in diese kontrollierte Klarheit zurückfand.
Wert und andere Irrtümer
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Wert und andere Irrtümer
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