Wichita Mountains

Nach dem großen Sterben – Teil 8

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Wichita Mountains

Wichita Mountains

Reinhard Baer

Jetzt waren wir aber erst mal auf dem Weg in die Wichita Mountains. Es war Sommer, wir kamen unterwegs ohne nennenswerte Probleme zurecht und konnten allem Gesocks – tot oder lebendig – ausweichen. Wir fanden gute Lagerplätze, liebten uns unter dem Sternenhimmel oder in Heuschobern - auch mal auf der Theke eines verlassenen Diners. Es wirkte fast wie Abenteuerurlaub, wenn da nicht die ständige Anspannung gewesen wäre. Schlafen konnten wir nur abwechselnd, zu groß war die Gefahr von Donalds oder Outlaws überrascht zu werden. Spätestens im Herbst mussten wir uns eine Bleibe gesucht haben, von der wir im Winter aus operieren konnten. Ich war gespannt, ob Ellen und Linda es auch zum verabredeten Treffpunkt schaffen würden.

‚The holy City of Wichita‘

Einige Meilen vor Fort Sill bogen wir nach Westen ab und waren nach fünf Tagen an dem merkwürdigen Ort angelangt, der unser Treffpunkt sein sollte - ‚The holy City of Wichita‘. Neben vielen Ruinen von Steinhäusern, Mauerresten und einer Kirche aus längst vergangenen Zeiten hatte sich die Moderne breitgemacht, da dies vor der Apokalypse ein beliebter Touristen-Hotspot gewesen war. Aus den Souvenirshops war ein kleiner Handelsposten geworden. Auf dem riesigen asphaltierten Parkplatz vor den Shops gähnende Leere, von einem halben Dutzend teilweise ausgebrannter Autowracks und den allerorten obligatorischen Wohnmobilen, den ‚Flitze-Puffs‘, in denen männliche Reisende Körperflüssigkeit und Tauschgüter loswerden konnten, mal abgesehen. Im bigotten Amerika vergangener Zeiten wäre das undenkbar gewesen, aber im Jahr 4 ‚Neuer Zeitrechnung‘ gehörten die fahrbaren Nagelstudios zum Stadt- und Landschaftsbild.

Ansonsten parkten nur im Bereich direkt vor dem Tor der Hotelumfriedung ein paar staubige und mehr oder weniger lädierte Autos von Reisenden. Zumeist waren es Fahrzeuge von der praktischen Sorte: Vans, Pickups, ein Camper.

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