Ich erwiderte todernst: Werden wir uns heute trennen? Meine Gegenfrage war auf eine Weise fordernd, die jene seines unaufdringlichen Mutes übertraf. Doch ich verunsicherte ihn nicht, er antwortete ohne Hast und ohne Zögern: Wenn es nach mir geht, nicht. Sag mir, wann es Zeit ist, zu gehen. Jetzt, bestimmte ich, obwohl Musik, Buffet und buntes Publikum mich unter anderen Umständen verleitet hätten, bis zum Schluß zu bleiben. So verabschiedeten wir uns kurz bei Margarete, deren wissender Blick keinen von uns beiden störte.
Draußen sagte er einfach, er wohne am Ende der Straße, seine Wohnung sei wie die Galerie am Rande des Parks gelegen. Er legte wie selbstverständlich den Arm um mich und lenkte unsere Schritte dorthin. Zu ihm zu gehen, war in Ordnung. Ich könnte mich zurückziehen, wenn es unangenehm werden sollte. Und dass er mich mitnahm, bedeutete, dass er wahrscheinlich nicht sofort wieder allein sein wollte. Ich hatte auch keine Eile, denn es war ohnehin vereinbart, dass Johanna, meine Kleine, bei meinen Eltern über Nacht bliebe. Wortkarg, aber ohne jede Anspannung schlenderten wir den Park entlang. Auf einer Lichtung sahen und hörten wir junge Leute am Teich fröhlich feiern und auf den erleuchten Wegen flanierten Liebespaare. Wir waren also nicht die einzigen Nachtschwärmer, wir sahen uns an und mußten ohne rechten Grund lachen. Er hatte ein sehr schönes Lachen, es passte gut zu seiner ernsten Grundhaltung, nichts war überdreht oder aufgesetzt. Er drückte seine Wange an meine, umarmte mich, seine Lippen suchten küssend meinen Mund.
Sanft, feucht, verlangend, endlos küssten wir uns, drängten uns aneinander.
*
Irgendwann standen wir vor einer Jugendstilvilla, die in einem modernen, aber gut integrierten einstöckigen Anbau ein großzügiges, lichtes Architekturbüro enthielt, das sich in das Haupthaus hinein erstreckte.
Wie ich Mr. Garcia kennenlernte
Tinas Geschichte - Teil 18
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Wie ich Mr. Garcia kennenlernte
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