Wie immer

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Wie immer

Wie immer

Yupag Chinasky

Sie sah strahlend aus, hatte vermutlich ihr Make-up noch einmal aufgefrischt und war bester Laune. Die Lautstärke der Unterhaltung nahm wieder zu, der Bestand an Alkoholika weiter ab. Nach einer Weile redete die Frau eindringlich auf ihren Nachbarn ein, der hörte gespannt und interessiert zu, nickte ein paar Mal, legte seine Hand auf ihren nackten Unterarm, sie legte ihre Hand auf seine und dann standen beide auf und gingen Arm in Arm in das Schlafzimmer. Wieder erstarb die Unterhaltung und dieses Mal hörte man deutlich neben dem permanenten Quietschen lautes Schnaufen und Stöhnen, garniert von den kleinen spitzen Schreien einer weiblichen Stimme. Es dauerte deutlich länger, bis sich die Tür wieder öffnete und der Mann zurückkam. Er sah mitgenommen und derangiert aus, das Hemd hing halb aus der Hose, und erst nachdem ihn seine Kumpel anstarrten, merkte er, dass sein Hosenstall offen war. Er schloss ihn und hob dann den Arm, wie ein bedeutender Mann, der seine Zuhörer begrüßte. Auch er legte seinen Obolus in das Körbchen und nahm wieder am Tisch Platz. Als die Frau kurz darauf wieder erschien, kontrollierte sie mit einem schnellen Blick, was darin lag, dann ging sie zum Tisch und bat einen der Männer, den Platz mit ihr zu tauschen.

Das Spielchen wiederholte sich mit dem dritten Mann. Erst ein intensives Getuschel, dann verschwanden beide im Schlafzimmer. Der Geräuschpegel sank, alle lauschten, aber diesmal hörte man gar nichts, nicht einmal das Quietschen des Bettes. Der dritte Mann brauchte deutlich länger als der Zweite, bevor sich die Tür wieder öffnete. Man hatte den Eindruck, dass er mit dem, was geschehen war, nicht so recht zufrieden war. Er schaute mürrisch in die Runde, überlegte lange, bevor er das Geld in den Korb legte und als er wieder am Tisch saß, goss er sich ein Glas mit Brandy ein und stürzte es hinunter. Besorgte Anfragen seiner Nachbarn ignorierte er.

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