Die rötlich braunen Knospen sind voll aufgegangen, ragen steil nach oben, werden immer steiler und steiler. Nur noch ein kleines Fetzchen wartet darauf entfernt zu werden und die atemlosen, geifernden, stierenden Männer warten ebenfalls nur noch darauf und das Bandoneon wird immer lauter und schneller und schriller. „Küss mich, küss mich so leidenschaftlich, als müsste ich Angst haben, dich zu verlieren.“ Dann verharren die Frau und die Musik mitten in der Bewegung, mitten in einem Akkord. Das Gekreische und Gejohle der Alten verstummt ebenfalls schlagartig. Die Frau steht da, kerzengerade, den Blick voller Lust, voller Selbstbewusstsein auf die Männer gerichtet. Sie hat ihnen ihre erotischen Signale hingeschleudert, sie durch ihren Tanz irre gemacht und sie nun, durch das völlige Einfrieren ihrer Bewegungen erst recht kirre gemacht. Langsam, ganz langsam gleiten die Finger über die Taille zur Hüfte, streicheln den Bauch, die Pobacken, berühren das Geflecht von roten Fäden, dröseln es ganz langsam auf, schieben das gehäkelte Feigenblättchen auf die Seite, gleiten hinein in die Schwärze der Scham, kommen wieder heraus, feucht und klebrig, werden zum Beweis der unendlichen Lust nach oben gereckt. Erst die Finger der einen Hand, dann, nachdem sie dasselbe getan haben, die anderen. Die Hände sind oben, das Feigenblatt wird nur noch von dem Faden zwischen den Pobacken gehalten, es bedeckt keinen Quadratzentimeter des schwarzen Waldes mehr, ist aber immer noch da, ein grellrotes Signal auf braunem Grund, überragt von dichtem Schwarz. Weiterhin Totenstille, Atemlosigkeit, gespanntes Stieren. Die Frau geht mit winzigen Schritten auf dem Tisch entlang, wiederholt die Bewegungen der Finger zu der roten Flamme, hält die feuchten Finger jedem der Alten vor die Nase, einige lecken und küssen sie. Die Frau ist selig, ihr Blick verklärt. Dann der Schluss, der Höhepunkt, das Finale.
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