Nur ich weiß, dass er vorher mindestens zwanzig Positionen ausprobiert hat, um genau diese zu finden, die so wirkt, als wäre sie ihm einfach passiert.
Als er mich sieht, bleibt sein Blick sofort an mir hängen. Also gehe ich weiter auf ihn zu. Nicht zu schnell, eher sogar ein wenig langsamer, als würde ich ihm Zeit geben, das Kleid und seine Wirkung noch einmal gründlich zu registrieren.
Er sagt nichts, als ich vor ihm stehen bleibe. Natürlich nicht. Aber er denkt, und ich kann seine Gedanken ziemlich klar lesen. Sein Blick gleitet an mir entlang, ruhig, prüfend – und bleibt ganz kurz dort hängen, wo das Kleid meine Taille fasst. Es gibt keinen Zweifel, welche Erinnerung ihm genau jetzt durch den Kopf geht.
Ich sehe ihn an und reiße ihn aus seinem Kopfkino.
„Na?“
Ein Hauch eines Lächelns.
„Das Kleid.“
Seine Eloquenz hat sich verabschiedet, und ich fühle mich ehrlich geschmeichelt.
Ich lache leise.
„Ja, das Ding.“
„Du trägst es immer noch“, sagt er.
„Natürlich. Es war so teuer, da wäre es eine Schande, es nicht so oft wie möglich zu tragen.“
Er lacht nur.
Ein Blick von ihm, ein Gegenblick von mir – und ich würde alles dafür geben, wieder in der Umkleidekabine zu stehen. Mit Vorhang. Mit schlechtem Licht. Mit allem.
„Oper“, sage ich schnell, um uns beide zurück in die Realität zu holen.
„Oper“, wiederholt er.
„Du benimmst dich. Bis danach.“
Ein kurzes Aufblitzen in seinem Blick.
„Das Kleid macht es nicht leichter“, meint er.
Ich streiche den Stoff glatt, als würde ich damit ein Argument gewinnen.
„Aber die Karten waren zu teuer, um sie verfallen zu lassen. Oder auch nur, um zu spät zu kommen.“
Also gehen wir los. Nebeneinander. Ordentlich. Zwei Menschen auf dem Weg in die Oper, als wäre das der Hauptpunkt des Abends.
Vor dem Opernhaus bleibe ich stehen.
„Du ziehst es mir heute nicht aus. Egal, was wir später tun werden – es bleibt an.“
Er sieht mich ruhig an.
„Soll mir recht sein. Es hat mich ja noch nie an irgendetwas gehindert.“
Ich atme aus.
„Gut.“
Ein kurzer Moment.
Dann lächle ich.
Wir gehen hinein. Und ich weiß, noch bevor sich die Türen hinter uns schließen, dass dieser Abend Erlebnisse mit sich bringen wird, die mir in Zukunft als sehr brauchbares Fantasiematerial dienen werden.
Das Kleid weiß es auch.
Und ich habe nicht vor, es zu enttäuschen.
Wieder mal dieses Kleid
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