Wieder mal dieses Kleid

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Wieder mal dieses Kleid

Wieder mal dieses Kleid

Leni Trattner

Und ja, ich meine das genau so.
Dieser Schnitt ist eine kleine Provokation. Zu streng für verspielt, zu verspielt für elegant und irgendwo dazwischen entschieden unentschlossen. Es hat etwas, das sich nicht klar bekennen will. Ich habe es damals ein dekonstruiertes Burgfräulein-Kleid genannt, und ich finde noch immer, dass das eine ziemlich brauchbare Beschreibung ist.
Und trotzdem hängt es in meinem Schrank. Was, wenn man es genau nimmt, bereits ausreichend Beweis dafür ist, dass ich es gekauft habe. Aber wie es zu dieser Entscheidung kam, das kommt später. Bei mir braucht man Geduld und muss sich erst durch Absätze voll von meinen Gedankenströmen lesen, bis es zum Wesentlichen kommt. Aber naja, das bin eben ich. Effizienz ist nicht immer meine Stärke. Wenn es aber Ihre ist, Sie dürfen gern ein paar Absätze überspringen; die anderen sind herzlich eingeladen, noch ein wenig mit mir im Schlafzimmer zu verweilen. Vor dem Kleiderschrank, nicht im Bett. Noch nicht.
Also, wieder zurück zur Szene. Ich in meinem Schlafzimmer, vor dem Spiegel. Natürlich erst nur in Unterwäsche. Aber leider keine allzu erotische. Es ist glatte Seidenunterwäsche, denn die sieht man nicht durch das Kleid durch. Und Seide, weil ich das Gefühl von ihr auf der Haut liebe. Ja, ich habe so meine Schwächen.
Als ich in das Kleid steige, merke ich sofort wieder, was mich an ihm fast noch mehr irritiert als sein Aussehen: Es benimmt sich, als wäre mein Körper nur das nette Accessoire. Nicht ich trage das Kleid, sondern das Kleid bringt mich in Form — mit einer Selbstverständlichkeit, die ich eigentlich unverschämt finden sollte. Plötzlich wirkt meine Taille schmaler, als sie ist, und die Brust wird deutlicher betont, als mir lieb ist. Kurz gesagt: Das Kleid kleidet mich nicht einfach, es präsentiert mich.

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