Wieder mal dieses Kleid

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Wieder mal dieses Kleid

Wieder mal dieses Kleid

Leni Trattner

Ich ziehe den Reißverschluss hoch und atme aus.
„Es macht eine gute Figur“, sage ich zum Spiegel.
Und muss lächeln, weil ich genau weiß, wessen Satz ich da gerade zitiere.
Als ich mich ein Stück drehe und mich von der Seite betrachte, muss ich leider zugeben: Der Effekt ist nicht nur vorhanden, sondern sogar unverschämt gut. Man könnte fast sagen, das Kleid weiß sehr genau, was es tut. Und hat kein Schamempfinden. Leider gehört es damit zu jenen seltenen Gegenständen, die sich nicht einfach tragen lassen, sondern sofort anfangen, einen Charaktertest mit mir zu veranstalten. Einen, den ich nie bestehe. Denn mir kommen immer gleich Gedanken, die so gar nicht jugendfrei sind. Teils sind es Erinnerungen. Teils sind es Ideen für das, was der Abend noch so bringen wird.
Ich lege die Hand an meine Taille, genau dort, wo damals auch seine lag. Damals, als ich das Kleid mit ihm zusammen gekauft habe.
Normalerweise gehen wir nicht gemeinsam Kleidung kaufen. Wozu auch? Ich würde das nicht einmal mit einem Partner tun, geschweige denn mit einem Freund wie ihm, der in erster Linie dazu da ist, die schönen Dinge des Lebens mit mir zu teilen — nicht den Alltag, nicht das organisatorische Elend, nicht die kleinen Demütigungen unter fluoreszierendem Licht. Doch damals war es eine Ausnahme. Es war bereits der dritte Versuch, ein Kleid zu finden, und ich brauchte dringend eines. Die ersten beiden waren ein Fiasko gewesen. Alles zu eng, zu weit, zu bemüht, zu irgendetwas.
Ich erinnere mich noch genau an meine Laune. Schon beim Reingehen war ich überzeugt, dass auch dieser Versuch nur in einer weiteren Enttäuschung enden würde. Zu viele Kleider, zu wenig Geduld, aber mit etwas Glück niemand, der mich mit einem wenig überzeugenden „Das steht Ihnen gut“ endgültig aus der Fassung bringt.

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