Wieder mal dieses Kleid

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Wieder mal dieses Kleid

Wieder mal dieses Kleid

Leni Trattner

Dieser Spiegel. Diese gnadenlose Kombination, die es schafft, einen in drei Sekunden von halbwegs zuversichtlich zu zutiefst beleidigt zu befördern. Wahrscheinlich kennen die meisten Leserinnen das Prinzip.
Das erste Kleid: nein.
Das zweite: auf keinen Fall.
Beim dritten funktionierte ich nur noch mechanisch. Anziehen, ansehen, ausziehen. Nicht zu viel fühlen, nicht zu viel denken, nicht im Spiegel eine persönliche Fehde mit dem eigenen Körper beginnen.
Und dann kam dieses.
Ich habe es schon auf dem Bügel skeptisch betrachtet und sofort gemerkt, dass es mir Ärger machen würde.
„Bitte nicht“, murmelte ich.
Natürlich habe ich es trotzdem angezogen.
Ich zupfte noch am Stoff herum, als könnte ich dem Kleid mit ein paar gezielten Handgriffen beibringen, sich gefälligst vernünftig zu verhalten, und sah mich im Spiegel an. Genau mit diesem Gesicht, das ich immer mache, wenn ich innerlich längst entschieden habe, es aber noch nicht zugeben will.
„Also wirklich“, sagte ich. „Das ist ein Etwas. Aber kein Kleid für mich.“
In diesem Moment bewegte sich der Vorhang.
Ich hatte kaum Zeit, mich zu ärgern, da war er schon drin.
„He“, wollte ich sagen — aber da stand er bereits hinter mir, und der Vorhang war wieder zu.
Ich sehe uns im Spiegel. Ich vor ihm, noch immer halb genervt, halb verlegen, weil ich mich ertappt fühle. Er hinter mir, viel zu ruhig für jemanden, der gerade dabei ist, mein ohnehin fragiles Verhältnis zu diesem Kleid endgültig zu destabilisieren. Und mit diesem Blick, als wäre ich nicht eine Frau mit Stilproblemen, sondern ein sehr gelungenes Angebot.
„Das ist furchtbar“, sage ich und deute an mir herunter.
Er schüttelt langsam den Kopf.
„Nein“, sagt er. „Du siehst das falsch.“
„Aha.“
Ich verschränke die Arme, soweit das Kleid es zulässt.
„Dann erklär’s mir.“
Ein klassischer Fehler.

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