Wieder mal dieses Kleid

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Wieder mal dieses Kleid

Wieder mal dieses Kleid

Leni Trattner

Ich weiß das schon in dem Moment, in dem ich es sage.
Er sieht mich erst nur an. Dieses genaue, beinahe prüfende Betrachten, das mich immer ein wenig aus dem Konzept bringt. Nicht, weil es unangenehm wäre — leider genau das Gegenteil. Dann legt er seine Hände an meine Taille. Direkt auf den Stoff, fest genug, dass ich seinen Griff spüre.
„Hier“, sagt er leise. „Hier sitzt es perfekt.“
Seine Finger wandern hoch, ziehen die Linie des Kleides nach, langsam, als hätte er alle Zeit der Welt. Ich atme ein. Ein bisschen zu schnell. Und ärgere mich, weil ich grundsätzlich gern den Eindruck vermittle, ich hätte mich unter Kontrolle.
„Und hier“, murmelt er.
Seine Hände liegen jetzt auf meiner Brust. Nicht zögernd. Nicht fragend. Eher so, als wäre genau das der Punkt gewesen, seit er den Vorhang bewegt hat.
Mein erster Impuls ist natürlich, irgendetwas Vernünftiges zu sagen. Oder etwas Sarkastisches.
„Das geht doch nicht“, bringe ich nur hervor.
Es klingt schon beim Sprechen weniger überzeugend, als ich gehofft hatte.
Er kommt noch ein Stück näher. Ich spüre die Wärme seines Körpers hinter mir, den Abstand, der plötzlich keiner mehr ist.
„Du siehst doch, dass es geht“, sagt er ruhig.
Natürlich hat er Recht. Er wirkt dabei so gelassen, als würde er lediglich eine Stilfrage beantworten und nicht gerade meine Fähigkeit zur Selbstbeherrschung in Frage stellen.
Ich lache kurz. Ein wenig zu hoch.
„Wir sind in einer Umkleidekabine.“
„Mhm.“
Mehr sagt er nicht. Er muss auch nicht. Seine Hände bewegen sich wieder, langsam, aber ohne Zögern. Eher mit der selbstverständlichen Sicherheit eines Menschen, der sehr genau weiß, dass ich ihn nicht wirklich aufhalten werde. Und das ist der Moment, in dem ich es ebenfalls weiß.
„Man könnte uns sehen“, sage ich noch.
Der letzte Versuch, mich selbst zur Vernünftigen zu ernennen.

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