Ich weiß, ich präsentiere mich gerne als selbstbewusste Frau. Daher ist es mir sehr peinlich, dieses Geständnis machen zu müssen: Wenn es darum geht, ein Outfit zu wählen, entspreche ich vollkommendem Klischee, das man von Frauen hat: Vor einem vollen Kleiderschrank stehen, dreißig Sekunden lang den Eindruck haben, alles zu besitzen, was man je brauchen könnte, und noch mehr. Doch dann fünf Minuten später überzeugt sein, dass man absolut nichts anzuziehen hat. Und dass dies einem Weltuntergang gleichkommt. Ein erstaunlich ineffizienter Umweg, den die Gedanken da wählen. Nicht nur, dass es sich ja nicht um eine naturkatastrophenartige Notlage handelt, sondern nur um ein Outfit. Nein, ich kenne diese Lage ja gut, habe sie schon oft genug erlebt und immer hat es so geendet, dass sich noch etwas gefunden hat, das ich anziehen konnte.
Aber dennoch, erst muss das Drama seinen Lauf nehmen: Meistens ziehe ich mit genervtem Blick ein paar Dinge heraus, verteile sie in einem halbherzigen Akt der Selbstmotivation über Bett und Stuhl und verwerfe sie anschließend mit demselben genervten Blick wieder. Am Ende bin ich nicht nur spät, sondern auch schlechter gelaunt als vorher. Nur, um dann im Laufe des Abends zu bemerken, dass meine Outfitwahl doch ganz gut war. Ein bemerkenswert talentierter Umgang mit Vorfreude, ich weiß.
Seit einer Weile gibt es allerdings eine Ausnahme. Und natürlich betrifft sie ausgerechnet ihn. Wenn ich mit ihm ausgehe, wird die Sache plötzlich erstaunlich unkompliziert. Fast beunruhigend unkompliziert. Heute jedenfalls gibt es nur eine logische Wahl: Meine Hand ist direkt zu diesem Kleid gewandert. Unverschämt zielstrebig, wenn man bedenkt, wie lange ich sonst brauche.
Als ich es anschaue, verziehe ich den Mund.
„Du bist schon ein komisches Ding“, sage ich — nicht zu mir, sondern zum Kleid.
Wieder mal dieses Kleid
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Wieder mal dieses Kleid
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