Eine Außentür wurde lautstark geöffnet, Schritte waren zu hören. Als ich mich umdrehte, blickte ich in das aufgelöste Gesicht einer Frau, die sich die Hände vor die Augen hielt und vom Türsteher in die Lounge geführt wurde.
„Bitte beruhigen Sie sich doch! Setzen Sie sich doch erst einmal hier hin!“ Der Türsteher schaute mich bittend an. Vermutlich sollte ich ein Auge auf die Frau halten. Er musste seinen Aufgaben draußen am Eingang nachgehen.
Ich machte mich durch lautes Räuspern bemerkbar. „Kann man Ihnen irgendwie helfen?“, fragte ich.
„Ich habe meine Kontaktlinsen verloren. Die Suche draußen musste ich abbrechen, weil es so heftig regnet. Ohne meine Kontaktlinsen sehe ich alles nur verschwommen. Der Türsteher hatte ein Erbarmen und hat mich hierher gebracht. Er meint, ich soll besser hier auf meinen Mann warten.“ Sie stieß einen langen Seufzer aus.
Ich betrachtete die Frau. Doch außer ihrem dunklen Mantel und ihren nassen kurzen Haaren konnte ich nichts Besonderes an ihr bemerken.
„Ist es nicht besser, wenn Sie Ihren Mantel ausziehen. Es ist hier warm“, erklärte ich ihr. Die Frau reichte mir ihren Mantel, den ich zur Garderobe brachte. „Danke“, sagte sie. Ich setzte mich auf einen Hocker direkt neben sie.
„Wenn ich zuhause bin, werde ich mich als erstes duschen. Ich bin durchnässt bis auf die Haut.“
„Dann sollten Sie aufpassen, dass Sie sich nicht erkälten!“
„Da sagen Sie was. Ich bin ständig erkältet.“ Sie hüstelte mehrfach. „Mein Mann wird gleich kommen, hoffe ich jedenfalls.“
„Und so lange wollen Sie mit nassen Haaren und Füßen hier ausharren.“ - „Was soll ich sonst machen?“
„Sie könnten zum Beispiel ein warmes Bad nehmen.“ Ihr Blick irrte ziellos durch den Raum.
„Im Nebenraum gibt es sogar einen richtigen Whirlpool mit warmem Wasser.“ Ich zeigte auf Tür, durch die ein rötliches Licht schimmerte. „Vielleicht tut die warme Feuchtigkeit auch Ihren Augen gut.“ Ich wartete auf ihre Reaktion; doch sie schwieg. „Und eine wohltuende Massage erhalten sie dort auch“, fügte ich zuletzt hinzu und gab auf, als sie sich weiterhin in Schweigen hüllte.
„Wo bin ich hier eigentlich?“, erkundigte sie sich und tupfte mit einem Papiertaschentuch über ihre Augenlider.
„In einem Club“, antwortete ich, ohne näher zu erläutern, welcher Art von Club das hier war. Ich beugte mich näher zu ihr. „Ein Paar-Club, hier treffen sich Paare zu gemeinsamem Austausch.“
„Sie meinen Partnertausch?“ Ich nickte.
„So etwas will mein Mann auch immer mit mir ausprobieren. Er meint, das würde unsere Beziehung neu beleben.“ Sie wischte einige Regentropfen an der Stirn ab und blinzelte mit ihren Augen suchend in ihre Umgebung, als würde sie alles nur schemenhaft erkennen.
„In diesem Whirlpool badet man hier sicherlich nackt, oder?“
Ich nickte. „Das mag ich schon gar nicht: nackt baden und andere Leute schauen einem dabei zu.“
„Man ist dort unbeobachtet. Der dichte Wasserdampf, das dämmrige Licht, und man liegt in warmem Wasser. „Sie schaute sich wieder um. – „Wie spät ist es?“, fragte sie. Ich nannte ihr die Uhrzeit, sie seufzte. „Mir wird allmählich kalt.“
Wir schwiegen beide eine Zeit lang, bis sie mich fragte: „Ist der Whirlpool weit von hier?“ Ich zeigte auf die Tür vor uns. “Kann man sich auf Sie verlassen?“ – „Natürlich“, erklärte ich lässig. Sie machte wieder eine Pause „Gibt es hier Umkleidekabinen?“ – „Kommen Sie, ich zeige sie Ihnen.“
Wiederbelebung
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