Mit einem amüsierten Zucken meiner Mundwinkel und einem tiefen Blick meiner dunklen Augen begrüßte ich ihn und eröffnete die Verhandlung.
Ich wusste, die Jahre hatten mir gutgetan. Mein souveränes Auftreten hatte an Schärfe verloren, meine Ausstrahlung gewonnen. Ich hatte meinen Stil gefunden, eine leicht extravagante, aber doch sehr elegante Frisur, schulterlang, unter meiner Robe schwarze Strümpfe, dazu wirklich tolle schwarze Lackschuhe mit hohen schmalen Absätzen. K. war gebannt von meinem Anblick, nervös und konnte der Verhandlung nicht wirklich konzentriert folgen. Es war auffällig, was ich zum Anlass nahm, ihn zu kurzen Stellungnahmen bezüglich einzelner Details zwischendurch aufzufordern. Das stand mir zu, wäre aber nicht unbedingt nötig gewesen, und um den Ernst der Lage zu unterlaufen, zwinkerte ich ihm unauffällig vergnügt zu, was ihn erst recht aus der Fassung brachte. In gewisser Weise haute ich ihn in die Pfanne, briet und wendete ihn und hatte Gefallen daran. Es war aber nicht bösartig, sondern mehr sportliches Messen der Kräfte. Na ja, ein bisschen gemein war es schon von mir. Ich wusste, K. war angeschlagen in den unverschämt herauf drängenden Bildern, Empfindungen, sinnlichen Erfahrungen von Geschmäckern, Düften und Berührungen unserer einstigen Affäre, so als duellierte er sich mit einem Gegner, in dessen Rücken die Sonne steht.
Ich bin eben eine Frau, die man nicht vergisst!
*
K. wirkte erleichtert, als die Verhandlung zu Ende ging, und schien gleichzeitig vor genau dieser Situation Bammel zu haben. Wir hatten uns mehr als ein Jahrzehnt nicht gesehen und nun hatte ich ihm mich ohne Vorwarnung als noch weitaus bestimmendere Frau präsentiert, ihm, der mir doch in unserer Affäre schon so hilflos ausgeliefert gewesen war. Aber er konnte nicht einfach knapp grüßend abziehen – und wollte das augenscheinlich auch nicht.
Wiedersehen
Tinas Geschichte - Teil 16
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