Wiedersehen

Tinas Geschichte - Teil 16

30 11-17 Minuten 0 Kommentare
Wiedersehen

Wiedersehen

Stayhungry

Nach einem kurzen belanglosen Gespräch mit den Beisitzern und der Protokollführerin verabschiedeten sich alle und verließen in unterschiedlicher Eile den Saal. Lächelnd stand ich an den Richtertisch gelehnt, stützte meine Arme nach hinten und reckte die Brust. Nun sehen wir uns also doch wieder, raunte ich verführerisch.

Es hatte keinen Sinn für K., sich künstlich bedeckt zu halten, ich hatte ihn immer durchschaut! Und wenn er jetzt verklemmt abzog, würde es ihn begleiten, verfolgen, irritieren, quälen. Mit zunehmendem Alter bereut man schließlich die Sünden, die man nicht begangen hat! Blendend siehst du aus! sagte er einfach. Ich nahm es ohne Verlegenheit, ich wusste um meine mit der Reife gewachsene Attraktivität.

*

Wir tauschten uns aus über unsere aktuellen familiären Verhältnisse. Ich war verheiratet und hatte drei Kinder, pendelte hierher an drei Tagen in der Woche und arbeitete den Rest der Zeit zu Hause. K.'s Frau hatte einen Sohn mit in die Ehe gebracht. Währenddessen bat ich ihn aus dem Saal in mein Büro am Ende des Ganges. Ich schritt ihm zügig voraus und sprach halb über die Schulter zurück mit ihm. Eine Robe hat schon etwas Elegantes an sich, aber die Weiblichkeit bleibt unter ihr fast gänzlich verborgen. K. war also um die Art von stillem Genuss gebracht, die er doch so liebte: den Damen unauffällig, aber unablässig auf den Hintern zu schauen. So ein Pech auch! lachte ich in mich hinein, denn ich wusste noch zu gut, wie sehr das nahe Verborgene seine Phantasie beflügelte. Und das hatte es in sich, mehr als er ahnen konnte!

Wir traten auf knarzendes, altes Eichenparkett. In dem lang gezogenen großen Raum stand mein ausladender alter Schreibtisch mit dem schwerem Bürostuhl vor der linken Wand, davor ein wuchtiger Ledersessel, an den Wänden Regale mit Fachliteratur, vor der Fensterfront eine raumgreifende Zimmerpflanze, links der Tür ein Besprechungstisch mit nüchternen Stühlen, darüber ein großes Bild von meinem Mann und mir als Tangopaar in hell erleuchteten, gotischen Arkaden.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 9514

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben