Andere Menschen sind in mein Leben getreten und Liebe wuchs, glücklichere Zeiten kamen und die Vergangenheit war Vergangenheit.
Du erinnerst dich also noch an deine Gefühle für mich? Deine Begeisterung für alles an und in mir? fragte ich ohne irgendeine respektvolle Distanz zu seinem jetzigen Leben. Ja, ich erinnere mich, aber mehr will ich dazu jetzt nicht sagen, bekannte er gereizt. Ich war zu weit gegangen, aber er blieb, immerhin. Wir schwiegen eine Weile und blickten uns tief in die Augen. Aber deine Geschichte interessiert mich doch sehr, forderte er mich auf, meinerseits zu erzählen. Es stimmte ja auch, ich hatte ihn verlassen und irgendwann durfte er wissen, wofür das gut gewesen sein sollte. Ich erzählte alles von Juan, schonungslos, ruhig, langsam, mit Pausen, jedes Detail hatte Zeit, als plastisches Bild zu wirken. Und es nahm mich wirklich mit.
K. hatte betroffen zugehört und schwieg noch eine Weile, nachdem ich geendet hatte. Das ist doch so furchtbar trostlos in dieser sadomasochistischen Szene! meinte er schließlich kopfschüttelnd. Das ist nichts dergleichen, stellte ich klar, denn dort gäbe es Regeln. Wo es aber Regeln gibt, Rituale, in denen ich auch als Unterworfene die Grenzen hätte bestimmen können, da hätte keine Gefahr gedroht. Dann wäre sogar fraglich gewesen, ob es mich so angezogen hätte. Juan war nur er selbst, er suchte die unendliche Steigerung. Das hatte mich in seinen Bann gezogen. Du fragst dich vielleicht, warum ich mich dann nicht an dich gewandt hatte? Ich wollte mich in meiner anfänglichen Not nicht in die Arme des Mannes flüchten, den ich verlassen hatte. Ich hätte dich nur ausgenutzt und so war es dir ja schon einmal ergangen. K. zuckte unmerklich, ließ sich darüber hinaus aber nichts anmerken. Ich wusste, dass die Zeit gekommen war, mich zu widersetzen und damit tat ich das Not-Wendige. Deine Verletzlichkeit habe ich erst verstanden, als ich selbst tief verletzt wurde, sagte ich leise.
Ich war froh, nach so langer Zeit mit ihm gesprochen zu haben, und das schien er mir auch nicht übel zu nehmen. K. hatte interessiert zugehört, schien auch erregt mit manchem Detail. Aber jetzt sah ich den aufkeimenden Schrecken in seinen Augen, passte doch dieser intime Bericht, eine ausführliche Darstellung sinnlicher Erfahrungen, eigentlich gar nicht zu meiner früheren Schweigsamkeit in dieser Hinsicht. Und was ist dann geschehen, nachdem du ihn verlassen hattest?
Wiedersehen
Tinas Geschichte - Teil 16
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