Susanne nahm Karins Sinneswandel achselzuckend hin, ließ aber kaum eine Gelegenheit aus, mich, das Seelchen, durch den Kakao zu ziehen. Das focht mich nicht wirklich an, zu gut fühlte ich mich an Karins Seite, und wenn es mir zu bunt wurde, sang ich ihr laut und kraftvoll UFO‘s „I’II be your Backdoor Man“ vor, was auf ihre sinnlichen Vorlieben wie auch die Art, in der wir beide uns sehr nahe gekommen waren, zielte. Dann knuffte sie mich und zischte „Drum singe, wem Gesang gegeben — und wem nicht, der lass es eben!“, um mir Einhalt zu gebieten. Karin amüsierte sich köstlich.
*
Wir flohen vor der kalten Nässe dieses Frühjahrs, das kein Frühling werden wollte, in den Süden Italiens. Ich zeigte ihr die Schönheit der verschlafenen Provinz und sie war meine mondäne Begleiterin. Wir sonnten uns an den Ufern fischreicher Seen und schlenderten über quirlige Märkte, stöberten endlos in Boutiquen, in denen sie sich mit neuester, eleganter Sommermode eindeckte. Wir beobachteten das Treiben auf den Plätzen aus Straßencafes und baten Küchenchefs traditioneller Lokale um Empfehlung unbekannter Genüsse, ein Interesse, das meist mit einem außergewöhnlichen Engagement sowie dem geheimen Wein für besondere Gäste belohnt wurde. Dazu musste ich der „bella donna“ ständig die Komplimente von Verkäufern, Kellnern und Willen übersetzen, und ihr hinreißendes Lachen belohnte uns alle.
Diese Tage und Abende inspirierten uns, auch des Nachts ungekannte Wege zu beschreiten. Zu den Klängen der Tarantella vom Dorfplatz liebten wir uns wild vor offenem Fenster, um dann zurückzukehren in das fröhliche Gewühl der Menschen, und mit ihnen bis tief in die Nacht zu feiern. In eleganten, lichten, geräumigen Designerbädern charmanter Hotels gewährte sie intime Einblicke und nasse Freuden, um sich anschließend vor raumhohen Spiegeln oder dem atemberaubenden Blick über das Meer lieben zu lassen.
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.