Wild Women do - Liebe auf den zweiten Blick

Geschichten vom Anfang der Sehnsucht

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Wild Women do - Liebe auf den zweiten Blick

Wild Women do - Liebe auf den zweiten Blick

Stayhungry

Na, schöner Fremder, angefressen? Ich blickte auf: Karin stand vor mir, auf ihrem Gesicht eine nicht eindeutig zu erschließende Mischung aus Erwartung und einem Anflug von wohlwollendem Spott.

Sie war doch gerade vorher zusammen mit Susanne und dem Sportler als vergnügtes Trio abgezogen, ohne mich noch größer zu beachten, nachdem ich meine Enttäuschung über ihr mangelndes Interesse in Alkohol ertränkt hatte. In mühevoll gewahrter Fassung hatte ich das Lokal verlassen und mich trotz der Kälte auf eine Bank am Flussufer gesetzt, um mich etwas zu ernüchtern, auch um in der Dunkelheit einen Blick vom gegenüberliegenden Ufer zu erhaschen, wo eigentlich das Trio seinem Ziel zustreben musste. Ich konnte aber nichts erkennen und hing daher meinen Gedanken nach, wie ich, beflügelt von den Erlebnissen des vorangegangenen Wochenendes, anmaßend gemeint hatte, ich müsste mich zwischen den beiden Damen entscheiden.

Sie bot mir an, zu ihr mitzukommen, da könnten wir uns in Ruhe unterhalten. Ich lehnte aber ab, denn ich hatte keine Lust, in meinem Zustand zu ihr zu wanken und mich noch mehr zum Trottel zu machen. Ich würde jetzt um die Ecke gehen, in ein Taxi steigen und hoffen, dass mein Auto morgen nur einen Strafzettel trüge, aber nicht abgeschleppt würde.

Sie setzte sich neben mich, legte den Arm um meinen Nacken, lehnte ihren Kopf an meinen und lachte mich aus: Ihr Männer! Da seid ihr scharf auf wilde Weiber und dann am Boden zerstört, wenn sie Euch nach vollbrachtem Werk nicht zu Füßen liegen! Aber Dir muß klar sein, vor der Nacht mit Dir war nicht die trostlose Einsamkeit!

Tja, so war es, recht hatte sie und ich musste ebenfalls lachen. Ich willigte ein in ihren Vorschlag, mein Auto und mich in unverfängliches Gebiet nahe ihrer Wohnung zu fahren und dann könnte sie mir immer noch ein Taxi rufen.

Schon etwas ernüchtert stand ich auf, sie hakte sich unter und während wir so halbwegs geradlinig meinem Auto zustrebten, klärte sie mich auf, wie sie das Ganze sah. Zunächst hatte sie mein aufdringliches Verhalten etwas verärgert, und da ich so unvermittelt abgezogen war, und dann muffig zu trinken begann, nur weil sie nicht in Ehrfurcht erstarrt war angesichts meines Erscheinens, dachte sie zunächst, ich solle ihr den Buckel runter rutschen, beleidigte Seelchen versprächen nur Anstrengung und keine Entspannung. Susanne war auch der Meinung gewesen, sie solle sich von mir nicht die Stimmung vermiesen lassen, nur weil ich Trübsal blase und hatte einen Lokalwechsel vorgeschlagen.

Aber draußen wurde ihr bewusst, dass sie vielleicht doch noch mit mir sprechen, mich nicht einfach stehen lassen sollte. Die Entscheidung war ihr aber erleichtert worden, da Susanne und der Sportler offenkundig mehr Interesse aneinander hatten und hier die bei Ihnen beliebte Menage a trois wohl eher abträglich wäre. Den Wink ihrer Freundin, sie solle vielleicht doch nach mir sehen, verstand sie nur zu gut.

Ich wollte noch beleidigt erwidern, dass ich es dann nur Susannes Wunsch nach ungestörter Zweisamkeit verdanke, doch sie unterbrach mich und sagte nur: Nimm es einfach, wie es ist, ich bin hier bei Dir, ich hätte auch nach Hause gehen können.

Dieser Aspekt hob meine Stimmung und so schlenderten schweigend weiter. Ich gab ihr meine Schlüssel und sie fuhr uns zu ihrem Haus. lhre freundliche Einladung, noch mitzukommen, konnte ich dann doch nicht abschlagen, die Situation war zwar alles andere als prickelnd, aber ihre freundliche Art, mir den Kopf zu waschen, hatte gerade begonnen, meine Enttäuschung und meinen Überdruß schwinden zu lassen, jetzt wieder allein zu sein, würde mich wieder dorthin abstürzen lassen, wo ich gerade vor einer halben Stunde noch war.

Den Wein, den sie sich gönnte, lehnte ich dankend ab und beschränkte mich auf köstliches Mineralwasser. Wir plauderten ein wenig und die Atmosphäre entspannte sich zusehends. Der aufregende Abend schien unerwartet nett auszuklingen.

*

Dummerweise konnte ich es nicht lassen. Was hat Euch eigentlich auf mich gebracht? fragte ich sie. Ihr Gesichtsausdruck trübte sich kurz ein, doch sofort blickte der Schalk wieder aus ihren Augen:

Wenn Du eine ehrliche Antwort willst, dann mußt Du jetzt sehr tapfer sein.

Ich war wie elektrisiert, was sollte das jetzt wieder heißen? Sie bemerkte, wie aufgeschreckt ich war und wollte dann doch nicht so recht mit der Sprache herausrücken. Ich war im Zwiespalt, ob es nicht besser wäre, einfach zu gehen, aber dazu gab sie selbst eigentlich keinen Anlaß. Die Aussage war in der Welt, nun war Angriff die beste Verteidigung, um all das Verquere der letzten Stunden hinter sich bringen.

Na, wir hatten uns aus Spaß vorgenommen, den nächsten Mann, der zur Tür rein kommt, verführen wir. Ich war entsetzt, dieses wunderbare Erlebnis des letzten Wochenendes hatte ich nur dem Zufall zu verdanken, dass sie sich just in diesem Moment einen Jux auf Kosten eines Mannes machen wollten? Sie versuchte schnell, der Sache die Schärfe zu nehmen, wies darauf hin, dass Männer dies doch oft genauso machten, einen Aufriß doch nicht viel liebevoller handhabten. Nun konnte nachempfinden, wie sich eine Frau fühlen mochte, die nur benutzt wird, aber ausgleichende Gerechtigkeit konnte ich darin nicht erkennen, denn für mich war es nie einfach nur um einen Fick gegangen und ich fühlte mich mies genug, wenn ich meinerseits einer Frau bekennen musste, dass meine Gefühle sich nicht vertieften, keine Beständigkeit gewannen.

Karin war herangerückt, hatte den Arm um mich gelegt, und meinte mit einem aufmunternden Schubs: Nun hab Dich nicht so, wenn Du uns nicht sympathisch gewesen- wärst, dann hätten wir die Sache sicher abgeblasen. Etwas geschmeichelt, war mein Missmut aber noch nicht gewichen. Doch sie legte nach.

Überhaupt sei ich ein arroganter Kerl. Mir war zwar bekannt, dass manche meine wortkarge, interessierte Zurückhaltung als Überheblichkeit auslegten, ich wusste aber ehrlich nicht, wieso sie jetzt zu dieser Auffassung kam. Na, sie kenne mich schon aus der Schule, aber ich hätte sie wohl nie bemerkenswert gefunden. Ich hatte zwar das Gefühl, sie irgendwoher zu kennen, schrieb dies aber einer Kenntnis dem Sehen nach aus den örtlichen Lokalen zu. Nein, sie war, als ich Abitur machte, bei den Teenies, die gerade versuchten, sich aus dem Status der Knirpse abzuheben. Uns habt ihr natürlich übersehen, aber wir haben für Euch Große geschwärmt. Du für mich? Sie meinte, ich sollte auf dem Teppich bleiben, ich wäre immer so ernst gewesen, das sei zwar interessant, aber nicht verlockend gewesen, geschwärmt also nicht, aber wahrgenommen, was man umgekehrt von mir für sie ja nicht behaupten könne.

Sichtlich zufrieden mit der Stringenz ihrer Argumentation strahlte sie mich an, und ihr Blick, ihre Nähe ließ die Erinnerung an unser Zusammensein vor wenigen Tagen, das plötzlich in meinem Empfinden in so weite Ferne gerückt war, wieder gegenwärtig werden. Ich spürte ihren Atem, ihre leicht geöffneten Lippen lockten, formten einen angedeuteten Kuss.

Etwas bitter meinte ich: das ist dann nicht gerade Liebe auf den ersten Blick. Ein breites Lachen antwortete: wie wär‘s denn mit der auf den zweiten Blick?, um mir dann die Lippen vor weiteren Fragen zu verschließen. Zart drückte sie sich an mich, ihr warmer Atem an meinem Hals ließ mich erschauern und ohne irgendein kraftvolles Bestreben sank ich mit ihr auf die Couch, lag umschlungen mit ihr und war in meinem angeschlagenen Selbstbewusstsein froh, sie so nah zu fühlen.

*

Ich lag hier also in den Armen eines einst von mir unbeachteten Knirpses, der zur interessanten Frau gereift war, verliebt und dennoch missmutig, weil sich das Gefühl von Idylle und auf den Wolken zu schweben nicht einstellen wollte. Doch sie hatte sich erkennbar zum Ziel gesetzt, mich in gute Laune hineinzulieben. Ihr geduldiges, liebevolles Interesse, ihre zarte, nur sanft fordernden Liebkosungen, ließen die Wirkung des Alkohols in mir schwinden, die angenehmste Form der Ernüchterung, die ich je erlebte.

Diese Nacht war voller Zärtlichkeit, die Erregung nachhaltig und fernab jeder schnelllebigen Geilheit, das anhaltende Liebesspiel wunderbar, Haut, Berührung, Zärtlichkeit, ohne jede sexprotzige Choreographie, ihr Spott liebevoll ermunternd, so dass der Humor in mich zurückkehrte und ich den wunderbaren Augenblick genießen konnte.

Wir liebten uns durch die Nacht zu den kraftvollen Lebens- und Liebeshymnen von Franz Benton und Johnny Diesel schien sein „Ride on the tip of my tongue“ nur für sie komponiert zu haben. Zu dessen verhalten pulsierendem Rhythmus ließ sie über mir kniend ihre Lippen, ihre Perle zart auf meiner Zunge kreisen, schob ihr Becken vor und senkte ihren Muskel wohlig sanft auf besagte, besungene Zungenspitze.

Ihr Körper wollte liebkost werden, endlos, dem mühelosen Gleiten unserer forschenden Finger, Hände, Lippen, Zungen auf einer anhaltenden tiefen Erregung entsprang eine tiefe Befriedigung unserer Seelen, fast bedrohlich für diese tantrischen Empfindungen war das Aufscheinen eines irgendwie gearteten Höhepunkts, könnte er dieses Gefühl nie versiegender Kraft aus der Umarmung doch, wenn auch glückselig, beenden. Da das Begehren nicht enden wollte und sollte, fanden Nägel und Zähne einen Weg, dem anderen liebevollen und liebestollen Respekt zu erweisen, eine Anregung, die immer noch nicht in der Lage war, genital zentriert dem Taumel der Sinne einen kleinen Tod zu verheißen.

Nach einer Ewigkeit wollte sie mich in sich spüren, stieg wie damals vor langer, langer Zeit über mich, drückte mich tief in sich, um dann wieder sanft zu kreisen, und ich küsste ihre erregten Brüste, Nippel, Lippen. Als sie mich schließlich über sich bat, versuchte ich ihre sanft kreisenden Bewegungen mit meinem Unterleib fortzuführen, unterbrochen von gelegentlich tiefen Stößen, die sie leicht steigern sollten in ihrem Erleben und ihrem Verlangen, von denen ich aber hoffte, dass sie mich dem Ziel nicht allzu sehr näher brachten.

Doch irgendwann wurden Ihre tiefen Zungenküsse fordernder, umschlangen mich ihre langen Beine, zogen ihre Hände mein Becken auf das ihre. Der Moment der Vollendung der Lust war gekommen, mein ungezügeltes Stoßen ließ sie ungehemmt schreien, verkrallt in meinen Rücken durchfuhr sie ein anhaltender Schauer. Dieser war es fast mehr als das göttliche Gefühl, das mein Glied verspürt hatte in den letzten Augenblicken, dass ich ebenfalls kam. Mit den letzten Tropfen wich auch die letzte Kraft aus mir, Arne und Beine waren so klapperig und kraftlos, dass ich mich nur auf sie sinken lassen konnte. Matt küssten wir uns noch und bald fiel ihr das Atmen schwer, sodass ich mich aufrichtete. Sie zog eine Decke über uns, da wir in unserer Erschöpfung trotz geheizter Wohnung leicht fröstelten und kurz darauf zogen wir um ins Bett, wo wir bald aneinander gekuschelt einschliefen.

*

Ich konnte schon lange nicht mehr in den Tag hinein schlafen, egal, wie lange die Nacht gewesen war, und so erwachte ich auch diesen Morgen relativ früh. Anders als die Woche zuvor, schlief Karin noch tief und selig. Sie hätte gut in den Bildband Frauen vor zehn Uhr früh gepasst und zum Eindruck eines rundum glückenden Tages fehlte nur der Sonnenschein durchs Fenster. Der allerdings würde wirklich fehlen heute, das war unverkennbar.

Ich stand auf, und während ich das Frühstück zubereitete, ließ ich die gefühlsmäßige Achterbahnfahrt der letzten zwölf Stunden noch einmal Revue passieren, war aber nach der verbrachten Nacht nicht mehr ängstlich, einen Tiefschlag zu erleiden. Ich wollte versuchen hellhörig zu sein für ihre Empfindungen, sie nicht bedrängen, wenn sie irgendeine Regung von Distanz erkennen ließe und hoffte, mich rechtzeitig zurückzuziehen, wenn sie meiner überdrüssig wäre.

Ich hatte sie, in meinen Gedanken versunken, nicht kommen hören und erschrak fast ein klein wenig, als sie sich von hinten an mich schmiegte. Na, schöner Fremder, hauchte sie, küsste mich nach einem kurzen Biß ins Ohrläppchen und drückte verschlafen ihren Kopf an meinen.

Diese Nacht brauchte keine Fortsetzung und wir verbrachten ein ruhiges, ausgedehntes Frühstück zusammen, ohne Überschwang und ohne Katerstimmung, so als wären wir schon lange aber nachhaltig verliebt.

Diesmal ließ sie beim Abschied nichts im Unklaren, verabredete sich von sich aus mit mir, äußerte unmissverständlich den Wunsch, das sie mich wiedersehen will, möglichst noch heute, um dem sensiblen Seelchen keinen weiteren Anlaß zur Bockigkeit zu geben. Ich war ihr dankbar dafür, denn ich fühlte, wie die Sehnsucht nach ihr schon in mir hoch kroch, da hatte ich den Fuß noch gar nicht vor ihre Tür gesetzt.

Der Abend dieses neuen Tages war, wie auch die folgenden, getragen von der Freude, die wir an der Freude des anderen hatten, wenn wir uns sahen. Weniger als ich schmolz sie dahin, aber ihr selbstbewusstes Auftreten hafte eine Milde, die ich nicht falsch verstehen konnte. Ich war verliebt.

*

Susanne nahm Karins Sinneswandel achselzuckend hin, ließ aber kaum eine Gelegenheit aus, mich, das Seelchen, durch den Kakao zu ziehen. Das focht mich nicht wirklich an, zu gut fühlte ich mich an Karins Seite, und wenn es mir zu bunt wurde, sang ich ihr laut und kraftvoll UFO‘s „I’II be your Backdoor Man“ vor, was auf ihre sinnlichen Vorlieben wie auch die Art, in der wir beide uns sehr nahe gekommen waren, zielte. Dann knuffte sie mich und zischte „Drum singe, wem Gesang gegeben — und wem nicht, der lass es eben!“, um mir Einhalt zu gebieten. Karin amüsierte sich köstlich.

*

Wir flohen vor der kalten Nässe dieses Frühjahrs, das kein Frühling werden wollte, in den Süden Italiens. Ich zeigte ihr die Schönheit der verschlafenen Provinz und sie war meine mondäne Begleiterin. Wir sonnten uns an den Ufern fischreicher Seen und schlenderten über quirlige Märkte, stöberten endlos in Boutiquen, in denen sie sich mit neuester, eleganter Sommermode eindeckte. Wir beobachteten das Treiben auf den Plätzen aus Straßencafes und baten Küchenchefs traditioneller Lokale um Empfehlung unbekannter Genüsse, ein Interesse, das meist mit einem außergewöhnlichen Engagement sowie dem geheimen Wein für besondere Gäste belohnt wurde. Dazu musste ich der „bella donna“ ständig die Komplimente von Verkäufern, Kellnern und Willen übersetzen, und ihr hinreißendes Lachen belohnte uns alle.
Diese Tage und Abende inspirierten uns, auch des Nachts ungekannte Wege zu beschreiten. Zu den Klängen der Tarantella vom Dorfplatz liebten wir uns wild vor offenem Fenster, um dann zurückzukehren in das fröhliche Gewühl der Menschen, und mit ihnen bis tief in die Nacht zu feiern. In eleganten, lichten, geräumigen Designerbädern charmanter Hotels gewährte sie intime Einblicke und nasse Freuden, um sich anschließend vor raumhohen Spiegeln oder dem atemberaubenden Blick über das Meer lieben zu lassen.

Die beiden Wochen dieses Urlaubs schienen endlos und doch vergingen sie wie im Flug, und der Abschied von diesen wunderschönen Landschaften war auch ein Abschied von einer Zeit ungetrübten Glücks, in der wir uns näher gekommen waren als es sonst in Wochen gewesen wäre, so dass wir in unserer unbelasteten, jungen Liebe beide ein wenig traurig waren, auch wenn wir doch zusammen zurück kehrten.

*

Die Art, wie wir uns kennen und lieben gelernt hatten, ihre unbefangene Weise, mit Männern umzugehen, meine Sehnsucht, sie ganz zu gewinnen, ließ die Eifersucht in mir wachsen.

Nun hafte meine katholisch geprägte Mutter, die ganz sicher kein lockeres Leben geführt hatte, mir schon anlässlich meiner ersten Liebe mit fünfzehn Jahren folgende Weisheit mit auf den Weg gegeben: Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Ich hatte das immer beherzigt, und mich immer sehr bedeckt gehalten, wenn dieses Gefühl sich regte, aber UFOs ‚ „I don‘t wanna lose you“ klang immer öfter in meinem Kopf.

Ich hatte viele Fragen an das Leben, sie ihre unbeschwerte Antwort. Wo Tina unergründlich, tiefsinnig, verschlossen und energiegeladen gewesen war, war Karin, durchaus nachdenklich, voller optimistischer Lebensbejahung ohne sprudelnden Überschwang. Sorgen, Pläne und Festlegungen vertagte sie in ihrer Jugend und Ungebundenheit auf später irgendwann. In ihren Armen war ich gelöst, doch an meinem ganzen Leben voller Pläne und Verpflichtungen wollte sie nicht wirklich teilhaben. Es engte sie ein und sie entzog sich liebevoll, aber bestimmt meiner Umklammerung. Oder, um mit Liedern von Cindi Lauper zu sprechen, sie verkörperte immer noch „Girls just wanna have fun“, wohingegen mir die Sehnsucht von Time after Time“ nach einer Liebe, die sich festlegt, aus der Seele sang.

Ihr Leben war wie Jazz für mich, leichtfüßig, beschwingt mit seinen unkonventionellen Melodien fasziniert er mich immer wieder unverhofft, aber in seiner Welt finde ich mich nicht zurecht, kehre immer wieder zurück zur Wucht des Rock mit seiner kraftvollen Wildheit und seinen schmerzvollen Balladen, obwohl auch ich meine Begrenztheit spüre.

Aus meinem hektischen Trott holte sie mich mit ihrer lächelnden Aufforderung, Na, schöner Fremder, wie wär‘s heut mit uns beiden? und dafür liebte ich sie, aber mit der Zeit verlor ihre sanfte Art mich mitzureißen an Schwung und meine Liebe war für sie immer auch eine Begrenzung ihrer Freiheit, so dass es irgendwann hieß: Adieu, schöner Fremder!

Ich fühlte mich nicht fremd, aber in der Vertrautheit hauen wir unsere Verschiedenheit kennen gelernt und so gesehen war ich tatsächlich irgendwie fremd für sie geblieben. Aber innerlich hatte mich ihre flüchtige, heitere Liebe eines Sommers wirklich schöner gemacht, diese unbeschwerte Liebe auf den zweiten Blick.

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