Dann ein zweites Bild. Ungeniert walzten sich jaulende Geländewagen zwischen die wunden Rippen, gruben sich in sinnlosem Rennen bis zu den Lungen in die Tiefe.
...Das erschreckende Schauspiel währte nur wenige Sekunden. Dennoch hatte es Egidius tief ins Mark getroffen.
Mit einer raschen Handbewegung fegte die Fee diese Horrorbilder davon.
Schon stand sie wieder in gewohnter Schönheit vor ihm. Aber bleich und erschüttert, trat er an den Abgrund und erbrach sich in die Tiefe. Dann schnappte er gierig nach der frischen Luft des grünen Waldes. Noch immer lag der Geruch verbrannten Fleisches in seiner Nase.
„Manch ein Mensch braucht einen hässlichen Schock, um wieder den Blick für Schönheit der Natur zu gewinnen. Unser Wald ist die Lunge der Welt...
...„Ja, er ist wirklich wunderschön, genau wie seine Hüterin. Ich glaube, meine Augen öffnen sich langsam. Ich beginne zu begreifen, was du mir sagen willst.“
„Aber was kann ich als kleiner Landvermesser schon gegen diese Zerstörung tun?“ ...zuckte Egidius hilflos mit den Schultern.
„Im Augenblick kannst du nur die Augen aufhalten, lieber steinhart. Lernen deine Sinne wieder zu gebrauchen und auf deine Gefühle zu hören, anstatt dich nur auf deinen mathematisch logischen Verstand zu verlassen. Es gibt noch eine andere Logik, die nicht deinem Hirn, sondern deinem Herzen entspringt.
„Ich habe dir grausame Bilder gezeigt. Und sie haben dich entsetzt. Es war dir nicht gleichgültig, wie mein Leib zerfetzt wurde. Das ehrt dich, ...und macht mir Hoffnung und Zuversicht.“
„Dasselbe Gefühl, solltest du auch für meinen Wald, ...und all die lebendigen Geschöpfe darin zeigen. Denn der Forst, und alles, was in ihm lebt, ist ein Teil von mir. Genau wie ich auch ein Teil von ihm bin. Und auch du, bist ein Teil dieses komplexen Ganzen.“
Bringe dieses neu entdeckte Gefühl zurück in die Menschenwelt. Lasse es dort wirken und sich vermehren, wie ein ansteckendes Virus. Infiziere die verhärteten Menschen durch dein Vorbild. Das war deine erste Lektion. Und damit du dich noch besser an sie erinnerst, ...aber auch den tiefen Schrecken der Bilder verdauen kannst, will ich nun ein kleines Fest zu Deinen Ehren geben. Und nicht zuletzt, um dich meinem Volke vorzustellen. Die „Kleinen Leute“ setzen große Hoffnung in dich. Du wirst sie gewiss bald sehr lieben. Denn wie du schon bei mir bemerkt haben dürftest: Wir sind ein sehr lüsternes Völkchen. Das dürfte dir sehr entgegenkommen. Denn nur was man mit Lust und Freude tut, führt letztendlich zu nachhaltigem Gelingen und fruchtbarem Erfolg...“
Während die Feenkönigin noch so vor sich hin philosophierte, legte sie ihrem Gast auch schon ein erstaunlich leichtes Geschirr an. Daran befestigt, war ein großes, vertrocknetes Eichenblatt, einem Segelfallschirm nicht unähnlich...
Willkommen in meinem Reich
Feenzauber - Teil 2
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Willkommen in meinem Reich
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