Wilma zeigt ihr Schäfchen

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Wilma zeigt ihr Schäfchen

Wilma zeigt ihr Schäfchen

Anita Isiris

Dann sah sie, wie die Schultern des Mannes sich in regelmässigen Abständen zusammenzogen, und sie wusste sofort, dass er masturbierte. Wegen einer Haare waschenden Frau? Wilma war nicht prüde – aber hier oben, in dieser Abgeschiedenheit, kam ihr die Situation bizarr vor. Bizarr und unheimlich zugleich. Wie hatte sich der Mann Zutritt zum Privatraum des Amstutzbauern verschafft? War das etwa gar... Nein, das war nicht der Amstutzbauer himself. Wilma hatte einen kleinen, gedrungenen Mann in Erinnerung – einen Bauern mit markanten Gesichtszügen.

Wilma tauchte ihr Haar noch einmal in den Brunnen, warf es zurück in den Nacken, blickte noch einmal kurz nach oben und verliess den Ort des Geschehens. Sie war eine beherzte Frau, und es war für sie nicht neu, dass Männer ihr nachstellten. Die meisten von ihnen hatten es auf ihre Brüste abgesehen, die grösser waren, als ihre weit geschnittenen Blusen es erahnen liessen. Der Mann vorhin konnte aber nichts wissen von Wilmas anatomischen Vorzügen. Er war möglicherweise einfach ein Haarfetischist und mochte Wilmas dichte Locken. Solche Männer waren in aller Regel ungefährlich, hatte Wilma einmal gelesen, denn sie lebten von der Projektion. Sie waren in ihrer Pubertät stehen geblieben, und echte, handfeste Frauen machten ihnen Angst. Wilma war eine solche echte und handfeste Frau! Sie band sich ein Handtuch um den Kopf, atmete tief durch und erklomm die Treppe nach oben zu ihrem Schlafraum. Sie klopfte energisch an die gegenüberliegende Holztür, und als sie nichts regte, drückte sie die Klinke. Die Tür war verschlossen. Wilma kniete sich hin, spähte durchs Schlüsselloch. Sie sah das Fenster, aber da stand niemand an diesem Fenster.
Wilma ging noch einmal nach unten, schloss den Ziegenstall, wärmte sich ein Glas Milch, schnitt sich eine kräftige Brotscheibe und biss herzhaft hinein.

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