Wilma hingegen, fantasiebegabt, wie sie nun mal war, malte sich den Liebesakt zwischen Norbert und ihrer Schwester in immer neuen Farben aus. Mal ritt sie ihn, mal sank sie hin.
Beim Lesen verflog die Zeit im Nu, und Wilma genoss jede Minute, wissend, dass am kommenden Tag die Ställe dran waren. Sie wollten ausgemistet sein, gereinigt, und die Tiere hatten frisches Spreu verdient. Sie ging in die Scheune, legte dem Kaminfeuer Holz zu und hängte den schweren, wassergefüllten Kupferkessel darüber. Sie freute sich auf die Gerstensuppe, den Justistaler Käse, das dunkle Brot. Einen kleinen Luxus hatte sie sich im Dorf unten gegönnt: Ein Sixpack Heineken Bier. Eine der meergrünen Dosen stellte sie auf den Schiefertisch und entnahm dem klapprigen Bauernschrank ein Suppenteller eine Gabel und ein Messer.
Wilma trug kurze Söckchen, rosa, mit blauen Punkten. Diese Söckchen wollten so gar nicht zu ihrem Sennerinnenjob passen – aber sei's drum. Ihr gefielen sie. Wilmas Söckchen mündeten in weissen Leggings, die wiederum unter einem weiten blauen Rock verschwanden, einem Rock, der obenrum etwas eng war und die Knöpfe beinahe zum Abplatzen brachte. Da waren zwei wundervolle, dralle Zaubertitten unter dem festen, guten Stoff. Üblicherweise kleidete Wilma sich nicht so – bei der Sennerinnenarbeit waren Röcke unpraktisch. Sie hatte mindestens zwölf Paar Jeans dabei, und bunte Switcher-Pullis. Das passte schon besser.
Kurz darauf genoss sie ihr Abendessen und freute sich über die junge schwarze Katze, Murrli, die ihr zugelaufen war und ihr um die Beine strich. Gegen 20:00 Uhr wurde es bereits dunkel, und Wilma machte sich bereit fürs Bett. Im Schutz der hereinbrechenden Nacht wusch sie sich draussen am Brunnen, auch im Intimbereich, und gönnte sich eine teure Lotion aus dem Body Shop. Wilma fühlte sich unbeobachtet, und die Stimmung war wundervoll.
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