Wind 1

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Wind 1

Wind 1

Yupag Chinasky

Die Hände haben aufgehört zu bluten, sind aber noch voller Dornen. Als er sie in das Wasser taucht und sie mit der Seife in Berührung kommen, zuckt er zusammen und zieht sie sofort wieder heraus. Die Hautabschürfungen schmerzen unerwartet heftig. Die Frau sieht, wie er sein Gesicht verzieht, doch statt Mitleid zu äußern, lacht sie laut auf und hält sich dabei die Hand vor den Mund, um nicht noch lauter zu prusten. Er ist pikiert und fragt sie, warum sie lacht, das sei doch nicht zum Lachen, so wie er dran sei. Aber die Frau kichert weiter und meint, er solle sich doch mal im Spiegel betrachten, in der Küche sei einer, über dem Spülstein. Sie wolle sich nicht über ihn lustig machen, aber als er sein Gesicht gerade so verzogen habe, hätte sie einfach lachen müssen. Er steht auf, geht zu dem Spiegel und sieht einen Fremden. Das Gesicht eines schwarzen, dreckigen, blutenden, wilden Mannes schaut ihn an. Es ist voller Staub, an einigen Stellen aufgekratzt, auf einer Wange hat geronnenes Blut eine Bahn bis zum Kinn gebildet, die Haare sind zerzaust und aschgrau. Er macht ein paar Grimassen und lacht nun ebenfalls, wenn auch ziemlich gequält wegen der Schmerzen. Dann geht er zurück zum Tisch und will mit der Säuberung fort fahren. Erst jetzt merkt er, dass die Dornen des Buschs nicht nur in seinen Handflächen stecken, sondern sich auch auf der Parka verteilt haben. Er wird auch die Parka säubern müssen, zudem merkt er auf einmal, dass es in dem Raum sehr warm ist. Er zieht die die dicke, olivgrüne Jacke aus und blickt dabei auf seine Hose. Sie sieht schlimm aus. An den Stellen, die auf dem Boden entlang scheuerten, ist sie dreckig und zum Teil zerrissen. Besonders auf den Knien sind große Löcher und er sieht die nackte Haut, doch nicht nur die, sondern stellenweise sogar rohes Fleisch. Auf einmal schmerzt alles, die aufgekratzten, mit Dornen gespickten Hände, die geschundenen Knie, das verschrammte Gesicht.

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