Wind 1

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Wind 1

Wind 1

Yupag Chinasky

Sie habe viel geweint, in diesen Tagen und auch noch danach. Dann habe sie aber aufgehört zu weinen und jetzt würde sie nicht mehr weinen, nie mehr, wegen nichts und niemandem würde sie weinen. Auch wegen ihm hätte sie nicht geweint, wenn der Scheißwind ihn zu Tode gejagt hätte. Sie lacht und er weiß nicht, wie ernst gemeint diese Bemerkung war. Sie habe ein paar Schafe und Hühner, fährt sie fort, und bekäme sogar eine kleine Rente vom Staat, weil es ja ein Unfall gewesen war, in einem vom Staat geförderten Gebiet. Kinder habe sie keine und ihre Verwandten würden in einem ganz anderen Teil des Landes wohnen. Sie kämen nie hier her und sie würde sie nie besuchen. Sie hätten ihr auch nicht geholfen, damals in der schweren Zeit. Wie auch, sie hätten ja selbst nichts. Sie habe sich überlegt, wieder nach Hause zu gehen, aber das wollte sie dann doch nicht. Zum einen hatte sie ja das Land und das Haus und die Tiere und wenn sie alles verkauft hätte, hätte man sie, eine junge Witwe, doch nur über den Tisch gezogen, sie verarscht und sie hätte außerdem den Regierungskredit zurückzahlen müssen. Und dann wollte sie auch nicht als Gescheiterte, als Bittstellerin in den Kreis der Familie zurückkehren, diese Schande wollte sie nicht erleben. Sie habe also beschlossen, die Ranch allein zu führen. Das sei nicht einfach gewesen. Sie habe niemanden als Hilfe gehabt, nur manchmal einen Gaucho aus Chile, einen Peon, einen Wanderarbeiter, der die schweren Arbeiten erledigte, wie Schafe scheren und Weidezäune reparieren. Der käme im übrigen immer noch, jedes Jahr, eine treue Seele, der Carlos. Rinder habe sie nie gehabt, das gäbe das Land nicht her, nur Schafe und Hühner und am Anfang auch ein paar Schweine, aber die würden oft sterben, für die sei das Leben in der Pampa nichts. Zum Glück hätte sie einen eigenen Brunnen, mit sauberem Trinkwasser, wegen des Flusses, der ganz in der Nähe ist.

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