Wind 1

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Wind 1

Wind 1

Yupag Chinasky

Aber sie wolle sich nicht beklagen, sie habe ein Dach über dem Kopf, genug zu essen, habe ihren Hund und ihre Schafe und Hühner und sei unabhängig, und das sei ihr ganz wichtig. Und ab und zu habe sie auch ein bisschen Vergnügen. Neben den Männern aus dem Dorf, die sich, selten genug, von ihren Frauen davon schlichen, kämen auch andere caballeros und würden ihr Geld geben oder Geschenke mitbringen, Lebensmittel, Kleider oder andere Dinge, die sie gebrauchen könne, denn hier könne man ja rein gar nichts kaufen. Und dafür gäbe sie ihnen Wärme und ein wenig Spaß und ein bisschen Abwechslung und das, von dem sie glaubten, es sei Liebe. Es kämen aber fast nur solche, die sie kennen würden, nur die würden den kleinen Umweg machen. Dann schaut sie ihren Zuhörer auf einmal scharf an und fährt ein wenig heftig fort, wenn er nun glaube, dass sie eine Hure sei und es mit jedem treibe, würde er sich gründlich irren. Sie ließe nur Männer in ihr Haus, die sie mag. Die sie nicht mag, hätten keine Chance, nicht bei ihr. Sich an die Straße stellen und das Röckchen heben und mit dem Arsch wackeln, um die Männermotten anzulocken, das täte sie nicht, das habe sie nicht nötig. Der grimmige Ausdruck auf ihrem Gesicht verstärkt sich. Sie stürzt den letzten Rest Gin hinunter und stellt das Glas mit einem lauten Knall auf den Tisch. Und jetzt, sagt sie laut und es hört sich fast wie eine Drohung an, gehe sie Kaffee kochen.

Sie hat sich in Rage geredet, aber als sie kurz danach mit dem Kaffee kommt, hat sich wieder der Schalk in ihrem Gesicht eingenistet und während sie den Kaffee schlürft, schaut sie ihn mit einem etwas seltsamen, prüfenden Blick an. Schließlich stellt sie fest, sie fragt nicht, nein, sie stellt fest, es sei also abgemacht und er bleibe zum Nachtessen. Sie wartet seine Antwort gar nicht ab und fährt fort, dass sie sich  gleich dran machen würde, das Huhn zu schlachten und zu kochen.

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