Wind 2

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Wind 2

Wind 2

Yupag Chinasky

Dieser Wunsch spiegeln sich möglicherweise in seinem Gesicht, denn als die Frau zurück kommt und sieht, dass er immer noch halb angezogen neben der Wanne steht, die löchrige Hose, die er zur Behandlung seiner Knie ausgezogen hatte, liegt auf dem Boden liegt, schaut sie ihn fragend und wissend zugleich an. Was denn los sei, ob er nicht in das Wasser wolle oder ob er immer in seinen Kleidern baden würde, wie diese Mohammedaner. Oder ob der Herr vielleicht ganz andere Wünsche habe, sie lacht, diesmal etwas meckernd, aber dafür müsse er erst einmal in das Wasser und jetzt solle er endlich anfangen. Ihre Anweisung unterstreicht sie mit einer herrischen Handbewegung, mit einem eindeutigen „ na los doch“, geht alsdann geht in die Küche und holt den ersten Eimer mit kaltem Wasser und schüttet ihn in die Wanne. Sie prüft die Temperatur auf eine Weise, die ihn an Babys erinnerte. Sie bückt sich sehr tief und hält den Ellenbogen in das Wasser. Er ist fasziniert, von dem erneuten tiefen Einblick, den sie bietet und sucht mit seinen Blicken das kleine goldene Kreuz. Aber in Wahrheit interessiert ihn das Kreuz überhaupt nicht, er schaut sie an, wie ein Mann eine Frau anschaut, die er begehrt und sie, als sie sich wieder aufrichtet und diesen Blick bemerkt, schaut zurück, mit einer ganz leichten Arroganz, die zu überwinden, kein Problem ist. Sie schaut ihn an, wie eine schöne Frau, die weiß, dass sie begehrt wird. Nun endlich fängt er an, sich auszuziehen, streift den Pulli ab, dann das Hemd, als nächstes zieht er die Schuhe und die Socken aus und wirft alles neben die Hose. Die Frau sieht zu, wie er sich auszieht, neugierig, direkt, ungeniert, auch wieder so wie ein Mann, der eine Frau beim Ausziehen beobachtet. Ihm ist die Situation etwas peinlich, es ist eine neue, ungewohnte Rolle, in der er sich befindet, er ist derjenige, der den Striptease macht, er ist derjenige, der angegafft wird. Zugleich fühlt er sich jedoch geschmeichelt, dass diese Frau ihn mit so großem Interesse anstarrt. Als er nur noch die Unterhose an hat, hält er trotzdem mit seinem Strip inne. Eigentlich müsste er sich nicht mehr zieren, nach soviel anschaulicher Intimität, die bereits zwischen ihnen stattgefunden hat. Die Frau wird sich doch durch einen nackten Mann nicht schockieren lassen, denkt er und auch er hat ja so seine Erfahrung, auch ihn sieht nicht die erste Frau nackt. Aber er ziert sich doch, weil bei ihm etwas auferstanden ist, das er nicht oder noch nicht zeigen will, weil er sich nicht ganz sicher ist, wo und wie diese Nacht enden wird. Sie bemerkt sein Zögern und erkennt schnell den Grund. Wieder ertönt ihr heiseres, kehliges Lachen. Ja, jetzt müsse er wohl auch noch die letzte Hose herunter lassen. Er könne nicht vermeiden, dass sie dann alles sieht und ob das vielleicht schlimm sei. Ob er ein pubertierender Knabe sei, obwohl er gar nicht danach aussehe. Das, was da zwischen seinen Beinen wächst und was er verbergen will, sei doch etwas schönes, etwas was sie sehr möge, Er solle nicht wieder anfangen, sich wie eine alte Jungfer anzustellen, diese Rolle würde höchstens ihr zustehen. Wenn er noch lang herummache, würde das Wasser kalt. Und wieder die Handbewegung, die diesmal mit „also jetzt aber hopp, hopp“ gedeutet werden kann.

Er ziert sich nicht weiter, lässt auch die letzte Hülle fallen, hält jedoch beide  Hände weiterhin schamhaft vor sein mäßig erigiertes Glied und steigt in die Zinkwanne. Das ist nicht ganz unproblematisch, die Wanne ist tief und schmal und kurz und seine Knie schmerzen. Er wackelt und muss sich dann doch mit beiden Händen am Rand abstützen, um sich endlich in das warme, wunderbar temperierte Wasser  plumpsen zu lassen. Seinen etwas tolpatschig wirkenden Einstieg hat die Frau ungeniert und mit sichtlichem Interesse beobachtet, sich aber eines Kommentars enthalten. Stattdessen beginnt sie, wieder ohne zu fragen, seine Haare zu waschen und seinen Rücken einzuseifen. Er solle sich entspannen, sich erholen, wer weiß schon, wozu er seine Kräfte noch bräuchte, an diesem Abend, der ja erst begonnen habe und erst in der Nacht, nach dem Grillhuhn, fährt sie lachend fort. Ihre Andeutungen und Erwartungen sind sind alles andere als versteckt und lösen bei ihm eine gewisse Furcht aus, trotz seiner Erregung, die mittlerweile abgeklungen ist und seinem Verlangen, dass vor dem Einstieg in das Bad so mächtig aufgeflammt war. Er gibt keine Antwort, sein Lächeln ist jedoch etwas verlegen und leicht gequält. Aber noch ist die kritische Phase nicht erreicht, in der er gefordert wird und er erholt sich in der Tat, planscht ganz vergnügt und entspannt im Wasser herum, obwohl er, groß und alles andere als schmächtig, kaum Platz in der engen Wanne hat. Ein Gefühl der Dankbarkeit für seine Gastgeberin und ihren Vorschlag mit dem Bad kommt in ihm auf, als er die letzten Dreckkrümel sucht, um sie abzurubbeln und als er ihr das sagt, strahlt sie und fragt ihn, wie er denn die Wanne fände und ob er schon jemals in einer solchen gebadet habe. Er denkt nach und meint dann, erinnern könne er sich nicht, aber vielleicht als Baby oder als kleines Kind. Ja, seine Eltern hatten solch eine Wanne und damals, in seiner frühen Jugend, gab es kein Badezimmer und irgendwie muss der doch auch sauber gehalten worden sein, sonst wäre er doch nicht das geworden, was er ist. Dir Frau lacht und er bestätigt, ja, doch, er habe schon einmal so gebadet, aber das sei sehr lange her.

Er ist gerade dabei, seine geschundenen Knie zum wiederholten Mal zu inspizieren, Knie, die wehtun, obwohl sie ohnehin aus dem Wasser ragen, als er sieht, wie die lila Bluse auf dem Fußboden landet. Er blickt auf und sieht, dass die Frau angefangen hat, sich auszuziehen. Sie steht mit nacktem Oberkörper vor ihm, hat in der Tat sonst nichts unter der Bluse an, nur das kleine Kettchen mit dem Kreuz und er kann nun das bewundern, was er bisher nur in Ausschnitten zu sehen bekommen hat. Ihr blanker Busen ist nicht zu groß und nicht zu klein und ziemlich straff, genauso, wie er sich unter der Bluse abgezeichnet hatte, genauso, wie er ihn sich vorgestellt hatte. Überrascht ist er, wie groß die dunkelbraunen Höfe um die Brustwarzen sind und wie steil diese nach oben ragen. Er sieht nun das, was er schon die ganze Zeit hatte sehen wollen, seit er die Frau zum ersten Mal in der Tür gesehen hatte, obwohl er da ja ganz andere Probleme und Wünsche gehabt haben müsste. Die Frau sieht natürlich auch sofort wieder, wo er hinschaut, ist aber wieder in keiner Weise verlegen. Im Gegenteil, sie drückt ihre Brust nach vorne, macht ein Hohlkreuz, was ihr aber mit ihrer kompakten, gedrungenen Gestalt nicht so recht gelingen will. Sie lacht, alles andere als verlegen und schaut sich ein wenig triumphierend um, erst zu ihm, dann an sich herunter und erklärt, dass sie auch baden werde, dass es zu schade sei, das Wasser nur einmal zu benutzen und dann wegzuschütten. Es sei ja noch ziemlich sauber, weil die Vorreinigung doch sehr gründlich gewesen sei und wenn er fertig sei, solle er raus und sich abtrocknen. Dann streift sie den kurzen, weißlichen Rock ab und dann ihre Schlüpfer, einen besseren Ausdruck gibt es für das, was sie unter dem Rock trägt nicht. Sie bückt sich und zieht diese voluminösen weiss-grauen Schlüpfer über die Knie und dann über die Füße und als sie sich wieder aufrichtet und nun ganz nackt ist, stellt er fest, dass auch der Rest ihres Körpers so ist, wie er sich unter der dünnen Kleidung abgezeichnet hatte, wenig Taille, dafür etwas Bauch, ausladende Hüften, ein strammer Hintern und die stämmigen Beine, die er zum größten Teil ja bereits kannte. Das einzig Unerwartete, das er, ein wenig geschockt, aber höchst interessiert anstarrt, ist der dichte, schwarze Busch zwischen den Beinen, der all das verdeckt, was er vielleicht auch noch gerne gesehen hätte. Geschockt und amüsiert ist er von der rosa Duschkappe, die sie sich aufsetzt und in die sie sorgsam ihre üppigen Haare steckt. Diese Kappe ist wohl ein Relikt aus einer frühen Zeit, denkt er, so etwas kann man doch nur noch im Museum sehen, genauso wie diese sagenhaften Schlüpfer.

Die Frau ist immer noch nicht verlegen, trotz ihrer Nacktheit, trotz seines intensiven, unverholenen Glotzens. Sie hebt sogar beide Arme hoch, hält die Hände über den Kopf, beginnt sich zu drehen und zu tänzeln, reckt die Brust wieder weit vor und wackelt mit dem strammen Hintern, ein wenig Bauchtanz, ein wenig Striptease. Dabei lacht sie, ihr kehliges, zufriedenes Lachen, schaut ihn mit ihren Lachfältchenaugen an und fragt, ob sie nicht immer noch schön sei und ob sie ihm nicht gefalle. Sie sei doch eine Klassefrau und bis auf das bisschen Bauch, sei doch noch alles tadellos. Ohne seine Reaktion abzuwarten, ihr reicht wohl sein interessierter, zustimmender Blick, fährt sie fort, dass auch er noch durchaus ansehnlich sei, jedenfalls nach dem zu urteilen, was sie bisher gesehen habe. Er sei bestimmt okeee, sie dehnt das e, wenn er auch wenig prüde und schüchtern sei, aber das könne sich ja noch im Laufe des Abends ändern. Dann senkt sie die Arme wieder und unterstreicht mit eine paar scheuchenden Bewegungen der Hände, dass er endlich raus solle, aus der Wanne, weil sie auch noch ein wenig Wärme haben wolle. Er steht auf, verlässt die Wanne und die Wärme, doch bevor er geht und sich in das dünne Handtuch holt, das sie ihm auf dem Sofa bereit gelegt hat, hält ihn die Frau fest, hält sich an seinen Schultern fest, die fast einen halben Meter höher als die ihren sind. Er denkt, jetzt geht es los, jetzt fängt sie an, mit küssen und schmiegen, mit dem Liebesspiel, noch bevor sie selber gebadet hat. Aber sie hält sich nur an ihm fest, um sicher in die niedrige Wanne steigen zu können, denn kaum steht sie im Wasser, lässt sie seine Schultern los, setzt sich hin und stößt, als sie mit ihrem halben Leib in das Wasser taucht, kleine Schreie der Lust und des Wohlbefindens aus.

Während jetzt die Frau fröhlich in der Wanne sitzt, trocknet er sich ab und sucht danach seine Sachen zusammen, die auf dem Fußboden verstreut sind. Als er sich anziehen will, ruft sie ihm zu, er solle damit noch warten, weil er sich sonst gleich wieder ausziehen müsse, wenn sie mit dem Baden fertig sei. Er solle lieber her kommen und ihr den Rücken waschen. Den letzten Satz versteht er, den ersten nicht so ganz und schaut sie deswegen wohl ziemlich dämlich an. Sie lacht und fragt, ob er schwer von Begriff sei, es sei doch klar, was sie gemeint habe. Er grinst und tut so, als ob er verstanden habe, wahrscheinlich hat er auch das verstanden, was er wollte, jedenfalls hält er inne. Er fühlt sich unwohl und beobachtet und auch irgendwie verspottet. Er fühlt sich alles andere als einer, der kurz davor ist, das Paradies zu betreten. Er fühlt sich eher wie einer, der auf einem Präsentierteller steht und von einer neugierigen Herde begafft wird oder wie das Objekt in einer Peep-show. Auf jeden Fall gefällt ihm die Rolle nicht, die er spielen soll, zumal ihn die Frau immer noch direkt und ungeniert betrachtet und schließlich resümiert, er habe sich doch ganz gut gehalten. Sie taxiert mich wie auf einem Sklavenmarkt oder in einem Männerpuff, denkt er. Bevor er aber doch anfängt, ihr den Rücken einzuseifen, zieht er sich  wenigstens seine Unterhose an, so ganz nackt, nein, das will er nicht sein und das sagt er ihr auch, das müsse sie nun mal erdulden, den Anblick seiner Unterhosen. Dann ist die Genierphase überwunden und er fragt sie, überflüssigerweise, weil sie ja die unmögliche Haube auf hat, ob sie nicht doch die Haare waschen wolle und er ihr dabei helfen solle, doch sie verneint. Es würde zu lange dauern, bis sie wieder trocken sind und dann kämen sie ja zu gar nichts mehr. Schon wieder so eine Andeutung, die er so auslegt, wie sie vermutlich auch gemeint war. Es bleibt beim Einseifen des Rückens und als er fertig ist, nimmt er seine Parka, hängt sie, anstelle eines Bademantels, locker über die Schulter und setzt sich auf das Sofa. Dann beobachtet er die Frau in der Zinkwanne, eine Rolle, die ihm viel besser gefällt als umgekehrt. Sie sitzt ganz  entspannt da, hat die Beine angezogen und leicht gespreizt und fängt an, sich mit einem Waschlappen bearbeiten. Erst den Unterleib und die Beine, dann die Füße, die sie einzeln hoch streckt und schließlich die Arme und die Brüste, an denen sie eine ganze Weile, er meint, länger als nötig, herumdrückt und herumreibt. Das Gesicht spart sie bei der Reinigung aus, vielleicht ist ihr das Wasser doch zu dreckig. Er beobachtet ihr Tun und merkt, wie sein Blut langsam in Wallungen gerät und als er merkt, wohin es wallt, ist ihm das peinlich und er zieht sich die Parka enger um die Schulter und hält sie mit einer Hand zu, wie einen Morgenmantel ohne Gürtel.  Doch die Frau ist anscheinend ungerührt, denn sie hat wieder angefangen, belanglose Fragen zu stellen, ob er ein Auto habe, ob das Bier in Deutschland wirklich so gut sei und ähnliche, doch auf einmal, ganz unvermittelt, will sie wissen, ob er Geld dabei habe und ob er ihr etwas geben könne, für das Bad und für das Essen. Er schluckt. Klar hatte er vor, ihr etwas zu geben, für den Aufwand, die Bewirtung und Beherbergung, aber es stört ihn, dass sie so direkt danach fragt. Er antwortet zögerlich, ja, er habe Geld, wie viel sie denn wolle. Sie antwortet mit einer Gegenfrage. Was ihm eine Nacht im Grand Hotel denn Wert sei, inklusive Allem. Sie lässt offen, was sie unter Allem versteht. Er schluckt abermals und besteht darauf, dass sie seine Frage beantwortet. Was sie sich denn vorstelle, was denn in diesem Hotel der übliche Preis sei. Sie lacht und sagt, er habe ganz gut verstanden und sie würde mit dem Thema weiter machen, wenn es soweit sei, rechtzeitig bevor er sie wieder verlassen würde. Sie habe ja nur wissen wollen, sie gluckst, ob er potent sei, in jeder Hinsicht potent, sie lacht schallend. Dann steht sie auf und bittet ihn um das  Handtuch. Vielleicht hat sie nur eines, vielleicht stört es sie nicht, dass er es bereits benutzt hat und es nun feucht ist. Im Gegenteil, als er es ihr zureicht, hält sie es sich ins Gesicht und schnüffelt daran. Herrlich, sie gluckst wieder, es riecht nach Mann, ich habe schon so lange keinen Mann mehr gerochen. Dann steigt sie elegant aus der Wanne und reibt sich mit dem feuchten Handtuch sorgfältig alle Tropfen von ihrem Körper.

Während er ihr auch dabei zuschaut, denkt er, dass sie sich nun gleich auf ihn stürzen und ihn in das Schlafzimmer zerren werde und dass er dazu, trotz seiner zwischenzeitlichen Erregung, eigentlich gar keine Lust habe, noch keine Lust habe, weil er auf einmal merkt, wie der Hunger in ihm nagt. .Als ob sie das geahnt hätte, verkündet sie, als sie in ihre Schlüpfer steigt, dass sie jetzt ein Huhn holen, es schlachten und zubereiten werde. Wenn es dann vor sich hin schmore, könnten sie es sich gemütlich machen und sich Appetit und Hunger holen, für das Festmahl, denn sie sei auch eine gute Köchin. Und während sie in die Bluse schlüpfte, versichert sie ihm nochmals, dass ihm das Huhn prima schmecken würde, nach dem Schrecken mit dem Wind und der ganzen Anstrengung. Und beim Hochziehen des geblümten Röckchens ergänzt sie, dass Essen und Liebe das schönste im Leben seien und als sie in die Sandalen schlüpfte, endet sie mit der Frage, ob er noch einen Schnaps wolle, zur Beruhigung der Nerven oder zur Anregung, je nachdem was er mehr brauche und ob er beim Schlachten zuschauen wolle. Er nickte, aber nur was den Schnaps betraf und statt auf ihre zweite Fragen einzugehen, meinte er, dass er lieber das Auto holen wolle, es werde ja bald dunkel und er wolle es nicht an der Straße stehen lassen. Dann wollte er wissen, ob er auf dem Hof abstellen könne, er habe aber gesehen, dass dort überall Scherben herumlägen. Überall ja auch nicht, erwiderte die Frau ein wenig beleidigt, während sie sich eine braune Strickjacke anzog, er müsse halt gucken, wo er die Karre hinstelle könne, aber auf dem Hof sei es auf jeden Fall sicherer, als auf der Straße, schon wegen des Hundes, der zwar manchmal schlafen würde, aber sonst doch ein guter Wächter sei. Ob sie zum Auto mitgehen solle, will sie wissen. Er sagt, das sei nicht nötig, es seien ja nur ein paar hundert Meter. Aber der Wind, hält sie ihm vor, der könne ihn wieder davon fliegen lassen und nur sie könne ihn festhalten, dabei stapft sie mit ihren kompakten Beinen auf den Fußboden und lacht.

Sie gehen nach draußen. Der Regen hat nachgelassen und auch der Wind ist nicht mehr so mörderisch, trotzdem sagt sie noch einmal, er solle aufpassen, dass ihn der Sturm nicht wieder umhaue. Er ist wegen des Huhns doch ein wenig neugierig geworden und geht mit ihr um das Haus herum und schaut zu, wie sie in den mit Maschendraht abgesperrten Hühnerhof tritt und beobachtet, wie sie routiniert ein laut gackerndes, mit den Flügeln schlagendes Huhn einfängt, hört noch, wie sie ihm zuruft, das hier sei besonders fett, sieht auch noch, wie sie auf einen Hackklotz zu geht, das flatternde Huhn in der einen Hand und mit der anderen nach einem Beil greifend. Aber dann dreht er sich um und geht rasch davon, er will nicht mit ansehen, wie dem armen Tier der Kopf abgehackt wird. Das Auto steht noch genauso da, wie er es verlassen hat. Bevor er die paar Dutzend Meter zu dem Haus fährt, will er noch einen Blick auf dieses Dorf werfen, dessen Bewohner so unfreundlich zu seiner Gastgeberin sind. Aber er sieht nicht viel, ein paar verstreute Häuser, eine Art Kiosk oder Handlung, eine Straßenkreuzung, von einem Hotel oder Gasthaus keine Spur. Er will schon zurück, da fällt ihm noch rechtzeitig ein, in dem Geschäft zu fragen, ob es Bier oder Wein gibt. Das junge Mädchen hinter der Theke bejaht, sie habe beides, Wein und Bier, allerdings nur Rotwein, wie sie auf seine Nachfrage bedauernd feststellt. Er nimmt zwei Flaschen von der besten und zu gleich einzigen Sorte und dazu noch zwei Flaschen Bier. Bier gibt es nur in Literflaschen, genauso wie den Wein. In einem Korb sieht er noch ein Brot liegen und kauft es auch.

Er fährt diesmal vor das Gatter, öffnet es und stellt das Auto direkt vor das Haus, ohne weiter auf die Glasscherben zu achten. Der Hund bellt, aber als er aussteigt, winselt er freudig, ein Hund, der schnell lernt und leicht Bekanntschaften schließt. Die Frau hat rasch gearbeitet, denn als er in die Küche kommt, ist das Huhn bereits fertig gerupft und zerteilt und wird gerade in eine große, eiserne Kasserolle gelegt, Kartoffeln und Gemüse sind vorbereitet. Das Ganze wird von einem traurigen Sänger in der Flimmerkiste beobachtet, der einen ebenso traurigen Tango zum Besten gibt. Er stellt die Getränke und das Brot auf den Tisch. Die Frau freut sich, es sei muy bueno, dass er an so etwas gedacht habe, denn  Wein habe sie nie im Haus, Wein würde sie nur trinken, wenn sie jemand dazu einlädt, aber wann würde sie schon mal jemand einladen. Auch das Brot sei gut, für das Frühstück, denn sie habe nur noch altes, trockenes im Haus und das könnten jetzt die Hühner bekommen. Während sie sich weiter mit dem Huhn beschäftigt, das bestimmt kein Brot mehr bekommen wird, zieht er den Korken aus einer der Weinflaschen. Zum Glück hat er immer ein Taschenmesser bei sich, eines dieser praktischen Helferlein, ohne die ein Mann nicht auskommt. Während er die Gingläser mit Wasser ausspült  denkt er, dass also auch die Übernachtung im Grand Hotel mit Frühstück  beschlossene Sache ist, genauso wie das Bad beschlossen war, noch ehe er irgend etwas sagen konnte und bei den sonstigen inklusiven Vergnügungen wird er vermutlich auch gar nicht gefragt. Aber wo hätte er auch hin sollen? Zum Weiterfahren ist es zu spät und auf eine ungemütliche Nacht im Auto kann er gut verzichten, vor allem bei der Alternative, die ihm hier lacht, nein danke. Dann fällt ihm ein, dass er noch einiges aus seinem Koffer braucht, zumindest seine Zahnbürste und eine andere Hose. Er geht noch einmal zum Auto. Der Hund kennt ihn und winselt freudig. Er stellt den Koffer auf den Fußboden, öffnet ihn und kramt nach der Ersatzhose, die er zu dem Festmahl anzuziehen gedenkt, dabei stößt er auf eine Tafel Schokolade und legt sie auf den Tisch, der perfekte Nachtisch.

Dann ist es soweit. Das Huhn schmort. Es besteht kein Grund mehr, die warme Wohnung zu verlassen. Das Auto steht vor der Tür und wird von dem freundlichen Hund sicher bewacht. Der gemütliche Teil des Abends kann endlich beginnen, mit einem Glas Wein, ganz wie in einem Kitschroman. Die Frau hat ihre Schürze wieder abgelegt, sich an den Tisch gesetzt und bewundert die Schokolade. Er nimmt eines der Gläser, füllt ein wenig Wein ein und kostet ihn. Er schmeckt ganz gut, sagt er zu der Frau, die ihre Hand ausstreckt und auch einen Schluck haben will. Er füllt beide Gläser und gibt ihr eins, dann hält er seines bedeutsam in die Höhe und schickt sich an, eine kleine Rede halten, sich für alles zu bedanken und auf das Wohl seiner Retterin trinken. Aber die Frau unterbricht ihn. Solch ein Gelaber könne sie jetzt nicht gebrauchen, sie hätten genug getrödelt, jetzt wolle sie zur Sache kommen. Er denkt, sie redet vom Weintrinken, denn sie leert ihr Glas mit einem Zug. Aber sie denkt an etwas anderes und will endlich dieses andere und bevor er die neue Lage so richtig begreift, steht sie auf, fasst ihn an einer Hand und zieht ihn in das Schlafzimmer, das er bisher noch nicht betreten hat. Er kann noch rasch einen Schluck Wein trinken und das Glas auf den Boden neben dem Bett stellen, dann wird er auch schon auf das Laken gedrückt und die Frau fängt an, ihn auszuziehen, schnell und systematisch, die Schuhe, die Socken, den Pulli, die zerrissene Hose und ohne zu zögern auch die Unterhose. Bevor er sich rühren, bevor sich in ihm etwas regen kann, bevor er dasselbe tun kann, was sie mit ihm macht, ausziehen, küssen, grabschen, sich aufgeilen, hat sie sich ihre paar Kleidungsstücke schon selbst abgestreift, die lila Bluse, den bunten Rock, die Liebestöter, alles wirft sie hastig und in großer Eile auf den Fußboden und stürzt sich erneut auf ihr Opfer, diese Gottesanbeterin, diese Spinnenfrau, die drauf und dran ist, ihr Spinnenmännchen zu verschlingen, kaum dass es seine Pflicht erfüllt hat. Diese Frau, weiß was sie will und das was sie will, muss rasch geschehen. Sie geht ohne Umschweife, direkt und forsch zur Sache.

Von romantischer Annäherung, von gradueller Steigerung der Begierde, von allmählich aufkeimender Erotik hat diese Frau aus der Pampa wohl noch nie etwas gehört. Sie ist wild und gierig, als ob sie monatelang keinen Mann mehr gehabt hätte. Sie will kein Schmusen, keine Liebkosungen, keine spielerische Annäherung, keine erotische Raffinesse, kein Getändel, keine Sanftheit, kein Vorspiel. Sie ist absolut egoistisch und es scheint ihr völlig egal zu sein, ob er, auf den es doch auch ankommt, überhaupt auf ihr direkte Spiel eingehen will oder ob er schon bereit ist oder doch noch eine Weile braucht, um auf Touren zu kommen. Er fühlt sich regelrecht vergewaltigt von diesem unbeherrschten Kraftpaket. Kaum dass sie neben ihm liegt, umfasst sie ihn mit ihren Armen, schlingt ihre Beine um die seinen, drückt ihren Körper an ihn und durch den Druck fangen die Wunden an seinen Händen und Knien an zu schmerzen und dieser Schmerz trägt sicher mit dazu bei, dass bei ihm keine rechte Freude an dem Spiel aufkommen will. Sie merkt, wie er zurück zuckt und ringt sich doch noch zu einer Art Vorspiel durch. Sie küsst ihn mit gieriger Verzweiflung. Doch auch bei dem Kuss gibt es keinen Hauch von Zärtlichkeit. Kaum hat sie ihre Lippen auf seine gepresst, öffnet sie diese und steckt ihre Zunge weit in seinen Mund, führt sie tief hinein, fast bis in den Rachen, wühlt und tobt, keucht und sabbert und dann ist die heiße Kussphase auch schon zu Ende und ihr Mund löst sich wieder, ohne dass er in Aktion hätte treten könne, ohne dass er in ihrem Mund irgend etwas hätte bewegen können. Statt zu küssen, flüstert sie nun unverständliche Worte und zerrt an ihm, bis er sich auf die Seite legt. Dann bedrängt sie ihn erneut mit ihrem Leib und drückt ihren dichten Busch an seinem Bauch. Noch ehe er die neue Lage so richtig begreifen kann, noch bevor er selbst etwas substantielles zu der anstehenden Vereinigung beitragen kann, bis auf ein paar zaghafte Streicheleinheiten auf ihrem Rücken und einen schüchternen Griff an ihre Brust, fasst sie nach seinem besten Stück, packt es reichlich brutal, knetet, reibt und zerrt und steckt es, noch bevor es überhaupt zur vollen Größe aufblühen konnte, in ihren dichten Busch und fängt auch schon an, zu stoßen und zu schieben, wild zu drücken und sich rhythmisch hin und her zu bewegen. Das alles geschieht zunächst in der wenig Lust vermittelnden Seitenlage, bis auch sie merkt, dass es anders vielleicht besser geht und nimmt einen Stellungswechsel vor, der ihre Dominanz noch besser zur Geltung bringt. Sie rutscht erst von ihm weg, dreht ihn um, nicht er dreht sich um, sie dreht ihn um, dann legt sie sich auf ihn, sucht und findet auch wieder etwas, das sie in sich hineinstecken kann, wenn auch nicht viel und fährt sofort fort, ihr neue Unterlage mit voller Inbrunst zu beackern, mit kleinen, raschen, an Kaninchensex gemahnenden Stößen ihres Unterleibs, während sie ihre Brust auf seine drückt und ihre Arme sich um seinen Oberkörper krallen. Alles geht von ihr aus, jede Bewegung, jede Initiative, jede Aktion. Er liegt still da, rührt sich kaum, passt sich nur ihrem Tempo und ihrem Rhythmus mit kaum fühlbaren Beckenbewegungen an. Er wundert sich und fürchtet zugleich, dass sein halb aufgerichtetes Glied, das durch ihre Hektik kaum an Größe gewonnen hat, aus diesem tobenden Unterleib rutscht und seine Blamage vollkommen macht. Seine Untätigkeit irritiert aber die Frau anscheinend nicht, denn rasch stellt sich bei ihr der Orgasmus ein, sie zuckt und zittert und stöhnt und stößt kleine Schreie aus. Dann hat sie ihren Höhepunkt auch schon erreicht, schüttelt sich wild, wirft den Kopf in den Nacken und stößt nun die großen Schreie der Lust aus. Es sind stöhnende, fast verzweifelte Schreie, die sich aus ihrem Innersten lösen und im Schlafzimmer, ja im ganzen Haus nachhallen und wohl auch draußen zu hören sind, denn sie werden von dem Hund mit intensivem Jaulen und Bellen und von den Hühner mit aufgeregtem Gegacker beantwortet, nur der Hahn schweigt. Auch der Mann unter ihr schweigt, der trotz oder wegen der geballten Lust und der gierigen Extase dieser ausgehungerten Frau kaum in der Lage ist, einen eigenen Höhepunkt zu erreichen. Doch zu Glück, noch ehe ihre wilden Lustschreie ganz verklungen sind, geht ein leises Beben, ein kurzes Zucken durch seinen Leib, seine Hände krallen sich nun auch um ihren Rücken, seine Atemfrequenz nimmt zu und dann ist dieser Höhepunkt, der seinen Namen kaum verdient, auch schon erreicht und sofort überschritten. Kaum hat sich sein schwaches Fleisch ein wenig aufgebäumt, fällt es  wieder in sich zusammen, kaum hat das Mannesorgan seine Pflicht getan, ist der Akt für Mann und Maus erledigt. Obwohl die Unersättliche merken muss, wie es in ihr abschlafft, wie der Atem ihres Beischläfers wieder ruhiger wird, wie seine ohnehin spärlichen Bewegungen noch lendenlahmer werden und bald ganz nachlassen, wie seine Arme sich von ihr lösen, wie unter ihr einfach kein Verlangen mehr zu spüren ist, gibt sie noch nicht auf. Sie drückt und presst weiter mit Becken, Schenkeln und Brüsten. Dann versucht sie eine andere Taktik, löst sich von ihm, streichelt seinen Körper mit ihren Händen, hält seinen Kopf, beginnt noch einmal zu küssen, diesmal sanfter, ja fast zärtlich und stößt bei all diesem Tun gurrende Laute aus. Als er trotz der inbrünstigen Bemühungen, trotz ihres klaren, eindeutigen Wunschs nach mehr, nicht reagiert, sich nicht regt, nur stock und steif da liegt, leider nicht steif, wo es in dieser Situation erforderlich wäre, verkrampft sich ihr Körper wieder, krallen sich ihre Hände, alle Zärtlichkeit abschüttelnd, erneut in sein Fleisch, graben sich in seine Schultern, in seine Oberarme. Ihr Gesicht verzerrt sich, Wut springt ihn aus ihren Augen an, sie fängt an zu schimpfen und zu schreien, dass sie mehr wolle, mehr Glück, mehr Liebe, dass er ein erbärmlicher Schlappschwanz und Versager sei, der abhauen solle, der in ihrem Bett nichts verloren habe. Endlich muss sie akzeptieren, dass der Akt vorbei ist, dass nichts mehr geht und nichts mehr kommt, dass sie nichts mehr erwarten und er ihr beim besten Willen nichts mehr geben kann. Sie löst sich stöhnend von seinem Körper, rollt von seinem Leib, liegt neben ihm, dreht ihm sofort den Rücken zu, wühlt sich in das Laken, beißt in das Kopfkissen und fängt an zu schluchzen und zu weinen.

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schreibt Amanda69

cool story

Gedichte auf den Leib geschrieben