Es war MEIN Kind, und ich hatte es getötet.
Mit einem letzten Blick von der Tür aus, ließen sie mich und meine Gedanken widerwillig allein. Ich drückte den Klingelknopf neben meinem Bett und hielt es für eine gute Idee, mir so kurz vor Einbruch des Abends ein Beruhigungsmittel geben zu lassen, jetzt war es auch egal.
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Das leise Knarzen der Zimmertür hatte mich geweckt. Verschlafen zwang ich meine Augenlider nach oben. Über Nacht schien meine Welt orange-rot geworden zu sein. Von der Seite blendete das diffuse Licht der frühen Morgensonne, die das ganze Zimmer einfärbte, und vor mir stand mein Ein und Alles, mit einem riesen Bund roter Rosen.
Behutsam legte er den Strauß auf meinen Bauch und küsste mich.
„Guten Morgen, mein Liebling!“, flüsterte er, „Ich habe es ohne dich zu Hause nicht ausgehalten.“
„Wieso, wie spät ist es denn?“
„Früh!“
„Wie früh ist denn ‚früh‘?“
„Sieben Uhr.“
„Wow, das ist echt früh!“, lachte ich ihn an.
Das Schmerzmittel hatte gewirkt. Meine Unterleibsschmerzen waren weg und die reichliche Portion Schlaf hatte mir gut getan. Fast hätte ich vergessen, warum ich in diesem Bett liegen musste, aber das Zimmer, die Blumen und das Gesicht von Chris erinnerten mich sofort wieder daran.
„Musst du nicht zur Arbeit, Schatz?“, fragte ich ihn.
„Es ist Samstag, Liebling!“
„Samstag? Wie lange habe ich denn geschlafen?“
„Fast 20 Stunden.“
„Chris … das tut mir leid! Wieso … wie konnte …?“
„Weil die Ärzte dich ruhiggestellt haben. Deine Blutung hatte durch die Aufregung wieder begonnen. Es war zu deinem Besten.“
„Aber Chris … und du musstest das alles allein durchstehen?“
„Nicht allein, ich hatte doch Franzi. Außerdem war ich die meiste Zeit bei dir, hab dir beim Schlafen zugesehen, hab auf deinem Schoß geschlafen und deine Hand gehalten. Ich war nie wirklich allein.“
„Du warst die ganze Zeit hier? Und die Arbeit, die Firma, die Software?“
„Da zieht mich nichts hin, Josie!
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