Wo ist Falk?

Josie

29 29-44 Minuten 0 Kommentare
Wo ist Falk?

Wo ist Falk?

Gero Hard

Nicht auszudenken, wenn … sie ihm was antun!“, ging seine Stimme in verweintes Flüstern über.
Chris sackte wieder resigniert in sich zusammen und weinte haltlos in seine Hände, die er vor sein Gesicht geschlagen hatte. Mir selbst ging es auch alles andere als gut. Mir dröhnte der Schädel von der Aufregung und ich hatte Bauchschmerzen von dem Stress und dem ganzen Ärger. Nicht zuletzt von der Sorge, die ich mir um Falk machte. Falk, der mir in den letzten Wochen so stark ans Herz gewachsen war, dass ich mir manchmal tatsächlich wie seine Mutter vorkam. Noch immer musste ich an die Frage denken, die er mir am Ruderstand der Yacht gestellt hatte:
‚Bist du jetzt meine neue Mama, Tante Josie?‘

Auf dem Boot hatte mir diese kurze Frage die Tränen in den Augen gespült. Klar, aus seiner Sicht war es eine ganz natürliche und durchaus berechtigte Frage.
Die Vorstellung, dass er jetzt gerade in einem dunklen Raum, vielleicht einem muffigen Kellerloch eingesperrt sein könnte, dass er sich vor Angst in die Hosen machen würde, zerriss mir das Herz. Hatte er genug zu essen, zu trinken? Behandelten sie ihn wenigstens gut? Ich wusste genau, dass er ohne seine Schmusedecke, auf deren Ecke er noch immer herumnuckelte, nicht einschlafen konnte. Es machte mir Angst, wie skrupellos die Täter vorgegangen waren. Wer zu so etwas fähig ist, würde im Zweifel auch nicht vor Schlimmerem zurückschrecken. Chris hatte recht, nicht auszudenken, wenn …!

„Ich kann euch nichts sagen. Falk hatte sich gerade um meine Beine geklammert, als mich der Schlag traf. Ich hatte nur Augen für ihn. Wie furchtbar!“, ergänzte sie traurig, drehte ihren Kopf zur Seite und weinte mit Chris um die Wette.
Ich durfte nicht weinen, auch wenn alles in mir förmlich danach bettelte. Am liebsten hätte ich alle zusammen in meine Arme geschlossen und hätte mit ihnen zusammen wie ein Schlosshund geheult. Aber ich musste stark sein.

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