Heute wollte ich nichts wie raus aus dem engen Sitz, der mich einengte und mir den Brustkorb einschnürte, raus aus der schnittigen Blechdose, die mir jetzt völlig gleichgültig geworden war.
Die Polizei wartete tatsächlich schon vor dem schmiedeeisernen Tor, das sich erst öffnete, als ich den Knopf der Fernbedienung in meiner Mittelkonsole gedrückt hatte.
Aus dem Briefkasten guckte der Zipfel eines braunen Umschlags heraus. Ungewöhnlich, weil die Tagespost längst durch war.
Chris und ich sahen uns an, ahnten innerlich schon, dass nichts Gutes darin zu finden sein würde. Vielleicht die Lösegeldforderung, vielleicht ein Lebenszeichen von unserem Schatz? Bevor ein Kripobeamter die Möglichkeit hatte, mir den Umschlag aus den Händen zu nehmen, riss ich ihn mit zittrigen Fingern auf.
Der Inhalt, nur drei Fotos, auf denen Falk zu sehen war, sonst nichts. Er hockte auf einer Decke, um ihm herum eine kleine Sammlung bunter Bauklötze. Sonst nichts. Nichts zu essen oder trinken, keine Jacke, sonst nur die kahlen, grauen Wände, seitlich und hinter ihm.
Die Entführer hatten ein Plakat an die Wand geklebt. ‚NOCH GEHT ES IHM GUT‘, stand dort in dicken Lettern. Die Betonung lag auf dem Wort „Noch“, weil es dreimal dick unterstrichen war.
Chris riss mir die Fotos aus der Hand, sah sie sich an, strich mit den Fingerkuppen über das traurige Gesicht von Falk.
Eine Träne, zerplatzte auf dem Fotopapier und hinterließ eine kleine wellige Beule.
„Ich kann nicht mehr!“, murmelte Chris, „hilf mir Josie …, bitte!“
Aber was konnte ich tun? Ich war doch sonst so sicher darin, immer das Richtige zu tun. Warum gelang es mir genau in diesem wichtigen Moment nicht für ihn da zu sein, so, wie er es gebraucht hätte? Alles hätte ich getan, um ihm helfen.
Dabei sah niemand, wie schlecht es mir selbst dabei ging! Niemand kam zu mir, fragte mich, wie ich mit der Situation zurechtkam! Niemand legte mir eine tröstende Hand auf die Schulter!
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