Eine fremde Silhouette, zugleich aufregend und befremdlich.
Sie richtete das Oberteil zurecht, strich mit den Händen über die glatte Oberfläche, als könnte sie dadurch verstehen, was sie da geworden war. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht – nicht, weil sie sich gefiel, sondern weil sie sich verwandelte.
Der Verkäufer sagte nichts, drängte nicht, kommentierte nur behutsam die Passform. In einer anderen Situation hätte seine Zurückhaltung sie unsicher gemacht, aber hier machte sie den Moment leichter erträglich. Sie probierte auch das Mieder an, schließlich auch noch die Handschuhe. Mit jedem Kleidungsstück wuchs die Intensität ihres Spiegelbildes. Da war eine Version ihrer selbst, die ihr ohne Verstellung entgegentrat – kompromisslos, gefährlich, schön in einer Art, die sie so noch nie an ihrem Spiegelbild gesehen hatte.
Schließlich schüttelte sie den Kopf, zog sich rasch wieder in ihre vertraute Kleidung zurück. „Vielleicht ein andermal“, murmelte sie, mehr zu sich als zu ihm.
Er nickte nur, als hätte er es von Anfang an gewusst. „Lassen Sie sich Zeit“, sagte er schlicht.
Auf dem Weg zur Tür spürte sie Erleichterung, fast so, als hätte sie eine Prüfung überstanden. Doch tief drinnen wusste sie: Das, was sie da im Spiegel gesehen hatte, würde sie nie mehr vergessen.
Schon fast am Ausgang blieb ihr Blick hängen. In einer Vitrine, seitlich im Raum, glänzten mehrere Halsbänder. Schmal, aus schwarzem Leder, manche mit Metallelementen, andere schlicht, beinahe elegant. Sie waren weniger auffällig als die dominanten Outfits und gerade deshalb wirkten sie für sie zugänglicher. Außerdem war es eines der wenigen Dinge, die sie über die Welt von Wolf wusste: Ein Halsband gehört zu einer Sub.
Ihr Finger glitt zögernd über die Glasfläche.
Wolf: Eintritt ins Rudel
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Wolf: Eintritt ins Rudel
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