Wolf: Eintritt ins Rudel

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Wolf: Eintritt ins Rudel

Wolf: Eintritt ins Rudel

Chloé d'Aubigné

Sie überlegte kurz, ob sie den Verkäufer fragen sollte, doch noch ehe sie den Mund öffnete, trat eine Frau neben sie. Ihre Präsenz war so klar, dass sie kaum überrascht war, als hätte der Raum schon lange auf ihr Erscheinen hingearbeitet. Mittelgroß, dunkle Haare, perfekte Figur. Ihre Stimme hatte keine Spur von Anfrage, sondern von Entschiedenheit.
„Nicht selbst anlegen“, sagte sie ruhig, während sie einen Schlüssel drehte und die Vitrine öffnete. „Das macht man für Sie.“
Die Worte ließen sie erstarren. Sie spürte, dass dies keine Hilfestellung, sondern eine Regel war. Also neigte sie wie selbstverständlich den Kopf, wartete, während das kühle Leder sich um ihren Hals legte. Das Schließen der Schnalle hinter ihrem Nacken wirkte wie ein leises Einrasten, als wäre etwas entschieden worden.
Und dann – dieser kaum wahrnehmbare Luftzug. Die Frau hatte nach dem Einfädeln sanft ausgeatmet, direkt in die kleine Mulde unter ihrem Haaransatz. So unscheinbar, so beiläufig, und doch jagte es wie ein elektrischer Schauer durch ihren Körper. Jeder Nerv zog sich zusammen, verlangte gleichzeitig nach Flucht und nach Hingabe. Sie hob die Augen, wollte reagieren, doch die Besitzerin schenkte ihr nur einen prüfenden Blick, als begutachte sie nicht den Choker, sondern die Wirkung.
Das Gefühl, erwischt worden zu sein, ließ sie erröten. „Ich… ich nehme ihn“, hörte sie sich sagen, kaum dass sie es gedacht hatte.
Der Preis auf dem kleinen Schild hinter Glas hätte sie an jedem anderen Tag abgeschreckt. Doch in diesem Moment war er Nebensache, fast ein Eintrittsgeld.
Als sie wenig später die Treppe nach oben stieg, fühlte sich jeder Schritt schwerer an als sonst. Der Hals war warm von dem Druck des Bandes, der Eindruck des Hauchens nicht verschwunden.

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