Es war lächerlich – kaum eine Berührung, und doch hatte es sie in einem Maße erschüttert, dass sie sich beinahe schuldig fühlte.
Kaum erreichte sie die Straße, vibrierte ihr Handy. Eine neue Nachricht von Wolf, knapp wie immer:
„Warte vor dem Laden. Wir müssen reden.“
Dies konnte nichts Gutes bedeuten, das war ihr bewusst. Aber gleichzeitig konnte sie es kaum erwarten, ihn wiederzusehen.
Er ließ sie lange warten und sie wusste, dass dies nichts Gutes bedeuten konnte. Die Zeit fühlte sich für sie wie eine Ewigkeit an – und sie wusste schon bald nicht mehr, ob sie sich auf seine Ankunft freuen oder sich vor ihr fürchten sollte. Ihr war bewusst, dass sie hätte gehen können. Aber dies hätte alles beendet und das wollte sie nicht. Sie wollte weitermachen, weiterhin Einblicke in Wolfs Welt erhalten und damit neue Einblicke in sich selbst.
Schließlich kam er auf sie zu. Schwarzer Mantel, zurückhaltende Haltung, aber das Gefühl, dass er den Ort beherrschte, war sofort da.
Sie wollte spontan lächeln, doch der Blick, den er ihr zuwarf, ließ ihr das Lächeln im Ansatz gefrieren. Es war kein kalter Blick, eher etwas Prüfendes,
„Warum hast du etwas gekauft?“ Seine Stimme war ruhig, ohne Ärger oder Schärfe – und genau deshalb wirkte die Frage so schneidend.
Sie stotterte. „Ich… dachte, es sei… eine Überraschung. Für dich. Etwas Kleines nur.“
Sie senkte die Augen, wie ertappt, und spürte das Lederband an ihrem Hals in diesem Moment noch deutlicher, fast entlarvend.
Er schwieg kurz, trat dann näher. Sein Schatten fiel über sie, so, dass sie unwillkürlich den Atem anhielt. „Ich habe dir nicht gesagt, dass du etwas kaufen sollst. Und schon gar keinen Choker. Ein Choker ist nichts Kleines. Er ist kein Schmuckstück. Nicht so, wie du es meinst.“ Er hob sacht die Hand, strich mit der Fingerspitze über den Rand des Bandes.
Wolf: Eintritt ins Rudel
5 12-20 Minuten 0 Kommentare
Wolf: Eintritt ins Rudel
Zugriffe gesamt: 273
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.