„Das ist ein Symbol. Kein Modeartikel. Er gehört nicht auf deinen Hals, bis jemand dir einen gibt, weil du ihn verdient hast. Verstehst du?“
Ihre Kehle wurde trocken. Sie nickte, zögernd, als wüsste sie, wie lächerlich es war, so etwas nicht zu wissen – und wie ernst es gleichzeitig war, es doch zu tragen.
„Ich wollte nur…“
„Überraschen?“ Er vollendete den Satz für sie, diesmal mit einem Hauch von Spott. „Überraschung hat in meiner Welt keinen Platz. Da gibt es nur Vertrauen. Und Regeln. Beides hast du heute gebrochen.“
Die Worte trafen sie unangemessen hart, fast wie eine Ohrfeige. Zugleich brannte in ihr eine seltsame Wärme – das Bewusstsein, dass er es ernst meinte, dass sie wieder einmal unbemerkt eine Schwelle überschritten hatte.
„Es wird eine Strafe geben“, sagte er schließlich. Ganz nüchtern. Kein Zorn in seiner Stimme, nur ein stilles, unausweichliches Urteil.
Sie spürte, wie Widerspruch in ihr aufflammte, wie sie sich verteidigen wollte – und gleichzeitig sofort wieder erstarb. Denn er ließ ihr die Wahl nicht in Worten, aber im Blick. Es gab nur zwei Optionen: Ja oder Nein. Bleiben oder gehen. Schwarz oder weiß.
„Aber nicht jetzt. Zuerst gehst du zurück mit mir. Wir gehen hinein. Gemeinsam.“
Ihre Überraschung entglitt ihr in einem schnellen Atemzug. „Der Laden… hat doch längst geschlossen?“
Wieder dieses kleine, fast unscheinbare Lächeln auf seinem Gesicht. „Nicht für uns.“
Er ging die Treppe vor ihr herab, schob die Tür für sie auf, als sei es selbstverständlich, dass man noch einmal für sie beide geöffnet hatte. Sie zögerte keinen Atemzug: Nicht aus Mut, sondern weil die Aussicht auf das, was kommen würde, sie bereits tiefer gefangen nahm, als sie wahrhaben wollte.
Als sie die Schwelle erneut überschritt, fühlte sich der Raum verändert an – nicht, weil er sich tatsächlich verwandelt hatte, sondern weil sie diesmal nicht allein eingetreten war.
Wolf: Eintritt ins Rudel
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Wolf: Eintritt ins Rudel
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