Neben Wolf, dessen Präsenz wie eine zweite Schwerkraft wirkte, verschoben sich die Gewichte. Der Verkäufer, der sie zuvor höflich und neutral behandelt hatte, trat hastig einen Schritt zurück. Seine Hände falteten sich beinahe ehrerbietig, und sein Blick wich sofort zu Wolf, als warte er auf Gesten oder Befehle.
Dann erschien die Frau, erneut wie selbstverständlich als Herrin dieses Raumes. Ihr Gang, ihr Blick: kein Zweifel, wem hier alles gehörte. Die Besitzerin musterte sie wortlos, ließ den Blick am Halsband verharren. Ein knappes, wissendes Lächeln. „Ah“, sagte sie, als wäre damit bereits genug erklärt.
Wolf erwiderte nichts, nickte lediglich – als sei dies die einzige Sprache, die sie miteinander brauchten.
„Folgt mir“, sagte die Frau und führte sie nach hinten.
Der hintere Teil des Ladens war abgedunkelter, und die Atmosphäre verdichtete sich. An den Wänden sah sie großformatige Fotografien hängen, kunstvoll inszenierte Schwarz-Weiß-Bilder, die die Besitzerin selbst zeigten: in Leder, in Korsetts, mal streng den Blick in die Kamera gerichtet, mal in Pose mit Peitsche oder Stiefeln, mit einem Ausdruck, der keinen Zweifel ließ, wer hier führt. Aber nie vulgär, nie billig – sondern fast künstlerisch, wie ein ästhetisches Manifest der Macht.
An einem der Fotos blieb ihr Blick etwas länger hängen: die gleiche Frau, aufrecht, erhoben – zu ihren Füßen ein Mann, nackt bis auf das Halsband, den Kopf gesenkt. Sie brauchte einen Moment, um zu erkennen, dass es derselbe Verkäufer war, der sie vorhin freundlich empfangen hatte.
Die Besitzerin bemerkte ihren Blick und lächelte schmal. „Mein Ehemann“, sagte sie, als wäre es das Normalste der Welt. „Und mein Sub. Er weiß, wem er gehört.“
Der Mann neigte tatsächlich ganz leicht den Kopf, ohne ein weiteres Wort.
Wolf: Eintritt ins Rudel
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Wolf: Eintritt ins Rudel
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