Wolf: Eintritt ins Rudel

8 12-20 Minuten 0 Kommentare
Wolf: Eintritt ins Rudel

Wolf: Eintritt ins Rudel

Chloé d'Aubigné

Die Nachricht von Wolf war kurz und hatte nichts von einer gewöhnlichen Einladung. Stattdessen war sie knapp und präzise: nur eine Adresse und die klare Anweisung „Sieh dich um, probiere an.“ Nichts weiter. Kein Hinweis, was sie dort erwarten würde, keine Erklärung, warum. Doch gerade diese Knappheit brachte ihre Fantasie sofort auf Trab. Sie starrte viel länger auf den Bildschirm, als es nötig gewesen wäre. Nur so wenige Worte – und doch war es ein klarer Befehl.
Noch während sie suchte, wie sie am einfachsten an diese Adresse kommen würde – war die Stadt ihr doch immer noch nicht vertraut –, spürte sie die vertraute Mischung aus Vorfreude und Nervosität in sich vibrieren. Es war nicht Angst, nicht wirklich. Eher das Wissen, dass sie einen Schritt auf unerforschtes Terrain setzen würde.  Und damit war etwas Nervosität verbunden, doch auch viel mehr Vorfreude.
Die Straße, in die sie schließlich einbog, war unspektakulär, fast banal. Aber was hatte sie auch erwartet? Nur ein unscheinbares Schild deutete auf ein Geschäft im Souterrain hin. Sie zögerte einen Augenblick, dann stieg sie die Treppe hinab. Sie hatte das Gefühl, als veränderte sich mit jedem Schritt die Atmosphäre. Oben noch der Lärm von Autos und Passanten. Unten gedämpfte Stille, geschliffener Steinboden, ein Türrahmen aus dunklem Metall. Ihr war es, als verließe sie nun wortwörtlich die gewöhnliche Welt und nähere sich einer anderen an – der von Wolf.
Sie blieb vor der gläsernen Tür stehen. Ihr Herz schlug schneller, nicht nur, weil sie nicht wusste, was sie drinnen erwartete, sondern auch, weil sie wusste, dass er es so gewollt hatte. Er hatte sie hierher beordert, als wollte er sie prüfen: ihren Willen, ihre Bereitschaft, ihre Neugier.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 423

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben