Ich setz mich noch mit einem Glas Rotwein auf die Terrasse, aber bald zieht es mich vor den Fernseher, um mich abzulenken von meinem trübsinnigen Weltschmerz. Auf einen Club oder ein Restaurant habe ich echt keine Lust mehr – als frischgebackener Single nerven mich die unbegrenzten Möglichkeiten, vor allem angesichts des meist deprimierenden Ergebnisses. Die meisten meiner Freundinnen sind in festen Händen, im Urlaub oder beides. Spontan wegfahren läge mir jetzt am meisten, aber ich bin die Urlaubsvertretung, wird also unabhängig von Post und Blümchen nix.
Als ich Samstag morgen aus den Federn krieche und mich etwas zerknautscht auf die Terrasse setze mit meinem Kaffee, da wird drüben schon das Frühstück abgeräumt. Ich beobachte etwas hektische Aktivität und werde selbst wohl gar nicht wahrgenommen. Bald erscheint er mit zwei Fahrrädern, bestückt sie mit Wasserflaschen, Lenkertaschen, Gepäcktasche und dann radeln sie los. Sie perfekt gestylt mit ordentlichem Abzug auf den ersten Metern, er in etwas langweiligen Trekking-Outfit, aber nicht unsportlicher. Nun genießen Trekking-Radler nicht das größte Ansehen bei uns Rennsportlern. Zu langweilig kurbeln sie durch die Landschaft, während unsereiner sie elegant überholt und vielleicht noch ein wenig herablassend von der Seite grüßt. Aber jetzt wäre mir lieber gewesen, sie hätten einfach in ihrem blöden schönen Garten rumgebuckelt, damit ich es mich ernüchtert hätte. Eine Tour zusammen, anscheinend für den ganzen Tag, das wäre mein Traum.
Den Gedanken, mit meinem Renner loszufahren, über ein paar Seitenstraßen zu überholen und dann lässig zu winken, verwerfe ich als so bescheuert wie er auch wirklich ist. Ich bringe mich missmutig in Form und fahre in die Innenstadt in ein angesagtes Cafe – nur um mich darin bestätigen zu lassen, dass ich hier auch nur die Falschen aufgabele. Diese Sprüche! Ich fliehe also in den Park und lege mich einfach in die Wiese.
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