„Oder auf dem Kettenkarussel!“ lachte Teresa und erwiderte den Kuss, während von vorne ungeduldig Rauls Name gerufen wurde.
„Das ist meine Großmutter.“ erklärte er und verzog den Mund. „Sie will sicher wissen, wo ihre Schlummerrollen sind. Es ist Zeit für ihr Nickerchen.“
„Dann lass Dir eine gute Ausrede einfallen.“ riet ihm Teresa, küsste ihn ein letztes mal und verschwand im Schatten zwischen dem Zauberberg und einem Wohncontainer.
Beschwingt lief sie die verlassenen Gassen zurück zum elterlichen Riesenrad, das als unübersehbare Landmarke majestätisch, aber bewegungslos in den leicht bewölkten Nachmittagshimmel ragte. Auf dem kleinen Platz vor ihrem gemeinsamen Wohnwagen lag Carmen, nur mit Sonnenbrille und knappem Bikini bekleidet, auf einem Liegestuhl und telefonierte. Das Gespräch hatte offenbar eine nicht sehr erquickliche Wendung genommen, denn sie blaffte einige wenig schickliche Flüche in ihr Handy.
„…glaube bloß nicht, dass du hier wieder aufkreuzen kannst!“ fauchte sie mit vor Zorn bebender Stimme. „Lass´dich bloß nicht wieder bei mir blicken! Und noch etwas: wenn du es deiner neuen `Eroberung´ besorgst, wünsche ich dir zwei Zentimeter in deinem Ständer, die nicht hart werden!“
Mit dieser handfesten Verwünschung unterbrach sie wutschnaubend die Verbindung.
„Hundesohn! Mistkerl! Elender Bastard!“
„Von wem redest du?“ fragte Teresa ihre Schwester.
„Von wem schon! Von Juan, diesem gottverdammten Arschloch! Lässt mich einfach wegen so eines Discoflittchens sitzen! Diese Schlampe hat ihn wahrscheinlich mit ihren aufgeblasenen Silikonmöpsen um das letzte Restchen Verstand gebracht! Wenn dieser Schwachkopf sein Stroh nicht im Schädel hätte, müsste er es ständig in der Hand halten!“
Sie lachte bitter und schickte weitere, nicht druckreife Flüche hinterher. Carmen tat Teresa Leid. Ihre Schwester hatte sich auf das Date mit Juan genauso gefreut wie sie auf das Rendezvous mit Raul.
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