Nun krampfte sich mein Magen zusammen, mir war übel, in meinem Kopf pochte es heiß, obwohl mich fröstelte. Nach langem Schweigen, in dem er nicht versuchte, mich zu trösten, mir zu helfen, mit dem allem klar zu kommen, fragte ich: Und wie geht es weiter? Er antwortete nur mit einem ratlosen Schulterzucken. Da wusste ich, es war ernst.
Mit seiner Offenbarung kamen mir die Tränen, ein Strom von Tränen. Nun endlich setzte er sich neben mich und nahm mich kraftlos in den Arm. Ich stieß ihn weg, wollte kein Erbarmen haben mit seiner Hilflosigkeit, doch im nächsten Moment fiel ich ihm um den Hals und heulte und heulte. Und seine Arme taten gut, seit langer Zeit war es wieder eine ehrliche Umarmung. Der Weinkrampf schüttelte mich, die Anspannung, die lange gewahrte Fassung lösten sich und ich hatte keinen Halt mehr in mir selbst. Alles lag so klar und unabänderlich vor mir. Ich fühlte mich schuldig, war mir selbst im Weg gewesen und hätte doch keine andere sein können. Wir wussten nicht weiter, und er konnte weder einen Wunsch oder eine Perspektive nennen oder gar eine Entscheidung treffen. Irgendwann gingen wir zu Bett und hielten uns hilflos und ohne Trost in den Armen. Bleiern lag das Unglück auf uns und wiederholt schreckte ich auf aus dem Schlaf, nur um die elende Gewißheit zu gewinnen, dass ich nicht geträumt hatte.
*
Jacqueline erschrak, als sie die Tür öffnete, aber irgendwie hatte sie mit mir gerechnet. Komm rein, sagte sie etwas betreten. Ihre Wohnung, in der ich mich schon oft auf Einladung fröhlich und unbeschwert aufgehalten hatte, hatte nun eine ganz andere Wirkung auf mich. Ich fühlte mich als Fremdkörper, dies war sein Zufluchtsort, sein Liebeslager, seine Quelle neuer Kraft. Es tut mir leid, sagte sie, hin und her gerissen zwischen schlechtem Gewissen und dem Wunsch, sich ihr endlich gefundenes Glück nicht streitig machen zu lassen.
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Tinas Geschichte - Teil 21
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