Irgendwann wurde Emet sich bewusst, dass sie mehr von dieser Frau erfahren wollte als aus den Erzählungen anderer hervorging. Sie wollte sie kennenlernen und diese Sehnsucht trieb sie vielleicht mehr an als alles andere. Elian, ihre Gebärerin, sei in den Norden aufgebrochen und von dort nicht wiedergekehrt. Ihr Schicksal sie ergründen, nein, sie lebendig zu finden, war der wahre Grund von Emets Reise in dieses unbekannte Land.
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Der Mann zitterte, als er sich neben Emet auf die Bank vor dem Haus setze, und dankend nahm er den heißen Kaffee an, den sie ihm anbot. Vor zwei Jahrzehnten haben Sklavenjäger mein Dorf überfallen, verwüstet und unsere jungen Menschen verschleppt. Kurz danach ist eine Amazone aufgetaucht, hat voller Zorn über das Geschehene in einer flammenden Rede unsere Verzweiflung getadelt und aus den Verbliebenen einen Trupp zur Verfolgung zusammengestellt. Wir haben die Gefangenen befreien können, aber einen hohen Preis gezahlt. Mit den wenigen guten Kämpfern unseres Dorfes hat sie unsere Flucht mit den Befreiten gedeckt. Nach zwei Tagen trabten die Pferde ins Dorf, die Getöteten an die Sättel gefesselt. Es war furchtbar, dass einige von uns ihr Leben lassen mussten, aber die Befreiten verehren sie und die Amazone wie Heilige, denn ihnen verdanken sie ihr Leben in Freiheit und ihre Zukunft in Familien statt im Elend der Sklaverei. Er hielt inne. Elian war nicht dabei. Es hieß, sie sei in Arrnos gefangen, andere berichteten, sie sei frei und werde gejagt. Aber niemand hat je behauptet, dass sie getötet worden wäre. Es gibt Geschichten von einer Amazone, die einen einsamen Krieg gegen die Unterdrücker von Arrnos führt, doch es scheint, niemand hat sie je wirklich gesehen. Manche meinen, das sind nur die Hoffnungen der Unterdrückten im Land von Arrnos, die solche Geschichten entstehen lassen. Aber ich habe mit ihr gekämpft, ich weiß, dass es sie gibt, die Frau mit deinem Gesicht!
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