Zu viel des Guten

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Zu viel des Guten

Zu viel des Guten

Chloé d'Aubigné

Dann saß ich da, am Samstag am Nachmittag, neben mir eine Tasse Kaffee und wählte eine aus. Ich betrachtete sie, bevor ich sie ass. Die feine Linienführung, den Glanz der Glasur, die winzigen Unebenheiten, die verrieten, dass hier jemand mit der Hand gearbeitet hatte. Ich biss langsam hinein, ließ die Schokolade schmelzen, achtete auf jede Note—Nuss, Frucht, etwas Bitteres vielleicht, das sich erst später zeigte.
Es war gut. Sehr gut sogar. Und doch war da ein merkwürdiges Gefühl. Nicht nur, dass ich feststellen musste, dass ich einen sehr durchschnittlichen Geschmack hatte und Gianduja-Pralinen besser als jede ausgefallene Sorte fand. Es war, als würde ich das große Ganze nicht sehen. Als würde ich den Genuss zwar korrekt orchestrieren, aber ihn etwas zu viel planen. Jedoch wusste ich nicht, wie ich es anders hätte tun sollen. Schließlich wollte ich Genuss, keine Völlerei.
Doch dann geschah etwas. Also, eigentlich geschah nichts. Es ergab sich eher. An unsere erste Begegnung kann ich mich, im Gegensatz zu ihm, nicht erinnern. Er war Teil einer Menge, die sich im selben Raum wie ich befand. Und dann, daran kann ich mich erinnern, tauchte er wieder in einem anderen Kontext auf. Wir besuchten dieselben Events, kannten bald auch dieselben Leute. Doch ich erinnere mich nicht an einen bestimmten Moment, in dem ich dachte, dass er besonders sei. Oder dass er mir nur besonders aufgefallen wäre. Kein plötzliches Begehren, kein Satz, der hängen blieb. Eher eine Folge von kleinen Momenten, die ein Gesamtbild ergaben, welches mir gefiel. Die Art, wie er zuhörte, ohne einem je ins Wort zu fallen. Wie er eine stille Präsenz ausstrahlte und in dieser stets zurückhaltend, aber nie unsicher wirkte.
Irgendwann begannen wir, als wäre es das Normalste auf der Welt, uns zu treffen.

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