Zu viel des Guten

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Zu viel des Guten

Zu viel des Guten

Chloé d'Aubigné

Beides ist okay.“
Es war kein Vorwurf. Eher eine Beobachtung, die so präzise war, dass sie mich traf.
Also nahm ich noch eine Praline. Und dann noch eine. Wir sprachen wenig dabei. Es war kein bewusstes Schweigen, eher ein bewusstes Wahrnehmen. Die Aromen wurden intensiver, ich wurde entspannter. Hatte nicht mehr das Gefühl, jede einzelne analysieren zu müssen, sondern gab mich einfach dem hin, was mir geboten wurde.
Irgendwann hatten wir beide die Schachtel geleert. Ich lehnte mich zurück, fast ein wenig benommen.
„Das war… viel“, sagte ich.
„Ja“, antwortete er.
Ich wartete darauf, dass er etwas hinzufügte. Eine Rechtfertigung, vielleicht, oder ein Lachen. Aber er sah mich nur an, ruhig, als würde er etwas abwarten.
„Du magst das nicht, oder?“ fragte er schließlich.
„Doch“, sagte ich schnell. Zu schnell. „Es war gut.“
„Aber?“
Ich suchte nach einem Wort, das passend gewesen wäre, fand aber keines.
„Ich bin es einfach nicht gewohnt“, sagte ich.
Er nickte, als hätte ich genau das gesagt, was er erwartet hatte.
„Du denkst, es gibt zu viel des Guten.“
Ich sah ihn an. Diesmal länger.
Und obwohl ich es nicht gerne zugab, wusste ich, dass er recht hatte.
Er ließ den Satz einen Moment zwischen uns stehen, als müsste ich ihn erst selbst prüfen, bevor er weiterging.
„Findest du das dumm?“ fragte ich, halb ernst gemeint, halb als Ausweichbewegung.
Er schüttelte leicht den Kopf. „Nein. Aber es scheint mir unnötig. Und ein wenig traurig. Als ob es eine Art ist, dich selbst zu schützen.“
„Wovor? Zu viel Genuss?“ Ich lächelte, aber es klang dünner, als ich wollte.
„Vielleicht“, sagte er. „Oder davor, ihn wirklich zuzulassen.“
Ich lehnte mich zurück, verschränkte die Arme locker vor mir, mehr aus Gewohnheit als aus Abwehr. „Und was würdest du stattdessen vorschlagen?“
Er sah mich an, ruhig, ohne jede Eile.

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